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1407 – Sechs Wochen vor den Mauern Rothenburgs
Im Sommer 1407 rückte der Krieg direkt an Rothenburg heran. Mächtige Gegner aus Würzburg und dem Haus Hohenzollern griffen das Rothenburger Land an, eroberten Burgen, zerstörten Ernten und versuchten schließlich, die Reichsstadt selbst in die Knie zu zwingen. Hinter den Mauern suchten Menschen aus dem Umland Schutz, während draußen ein Heer darauf setzte, Rothenburg auszuhungern. Es wurde kein Krieg großer Schlachten – sondern ein zermürbender Kampf um Vorräte, Zeit und Durchhaltevermögen.
1407 – Sechs Wochen vor den Mauern Rothenburgs
Als der Krieg nach Rothenburg kam
Es ist Sommer 1407.
Auf den Feldern rund um Rothenburg steht das Getreide. Für die Menschen in den Dörfern beginnt die wichtigste Zeit des Jahres. Was jetzt geerntet wird, muss über den kommenden Winter reichen und zugleich die Stadt versorgen.
Doch in diesem Sommer geht es nicht nur um die Ernte.
Seit Monaten weiß man in Rothenburg, dass ein Krieg droht.
Boten kommen und gehen. Nachrichten erreichen das Rathaus. Adelige erklären der Stadt die Fehde. Im Rothenburger Stadtarchiv sind noch heute zahlreiche Fehdebriefe aus dem Konflikt von 1407/08 erhalten. Sie waren keine bloßen Drohbriefe: Eine formelle Fehdeansage bedeutete, dass aus einem politischen und rechtlichen Streit nun bewaffnete Gewalt werden konnte.
Und Rothenburg hatte viele Gegner.
Auf der anderen Seite standen nicht irgendwelche Raubritter, sondern zwei der stärksten politischen Kräfte Frankens: die Nürnberger Burggrafen aus dem Haus Hohenzollern und der Würzburger Fürstbischof Johann von Egloffstein.
Am 8. April 1407 hatte sich der Würzburger Bischof ausdrücklich mit Burggraf Friedrich VI. gegen Rothenburg verbündet. Später treten auch Friedrichs Bruder Johann III. und weitere Adelige als Teilnehmer des Kriegszuges auf.
Rothenburg steht damit vor einem Problem, das Heinrich Toppler jahrzehntelang zu verhindern versucht hatte:
Die Stadt ist plötzlich von mächtigen Gegnern umgeben – und diesmal haben sie sich gegen Rothenburg zusammengeschlossen.
Warum wollten sie Rothenburg überhaupt angreifen?

Der Krieg von 1407 war kein spontaner Überfall.
Jahrzehntelang hatte Rothenburg Land gekauft.
- Burgen
- Dörfer
- Gerichtsrechte
- Höfe
- Wälder
Was für Rothenburg der Aufbau eines eigenen Territoriums war, bedeutete für seine Nachbarn etwas völlig anderes.
Die Reichsstadt drängte sich immer weiter in Gebiete hinein, in denen auch die Hohenzollern und das Hochstift Würzburg ihre Herrschaft ausbauen wollten.
Aus ihrer Sicht war Rothenburg nicht mehr die kleine Stadt auf dem Berg.
Es war zu einem Konkurrenten geworden.
Gerade die Burgen Nordenberg und Endsee waren dabei von großer Bedeutung. Rothenburg hatte Nordenberg 1383 und Endsee wenige Jahre später erworben. Solche Burgen waren nicht nur repräsentative Gebäude. Sie ermöglichten Kontrolle über Wege, Gerichte und umliegende Besitzungen und konnten militärisch besetzt werden. Die aggressive Rothenburger Territorialpolitik brachte deshalb ausgerechnet Würzburg und die Nürnberger Burggrafen zeitweise zusammen, obwohl auch diese beiden Mächte miteinander konkurrierten.
Und hinter dem politischen Konflikt stand noch ein zweiter Streit:
Wer durfte über wen Recht sprechen?
Rothenburg verfügte über ein eigenes Landgericht. Auch die Nürnberger Burggrafen und Würzburg beanspruchten umfangreiche Gerichtsrechte.
Der Konflikt wurde zunehmend unlösbar.
Heinrich Toppler versuchte schließlich sogar, Unterstützung beim 1400 abgesetzten König Wenzel in Prag zu erhalten.
Eine höchst riskante Politik.
Der amtierende König Ruprecht stand dagegen den Nürnberger Burggrafen nahe.
Damit war aus einem regionalen Machtkampf plötzlich ein Konflikt geworden, der bis zum Königshof reichte.
Rothenburg bereitet sich vor
KI-generiertes BildIn der Stadt hatte man die Gefahr erkannt.
Heinrich Toppler war 1406 noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden.
Nun wurde vorbereitet, was vorbereitet werden konnte.
Die Verteidigungsanlagen wurden kriegsmäßig instand gesetzt, die Wehrkraft organisiert und vor allem Lebensmittel eingelagert.
Das war entscheidend.
Denn eine Stadt musste nicht unbedingt im Sturm erobert werden.
Man konnte sie auch einschließen und warten.
Irgendwann würde das Brot knapp werden.
Toppler unterstützte die Vorratshaltung sogar aus seinen eigenen großen Getreidebeständen. Überliefert sind unter anderem eine Lieferung von 327 Maltern Getreide und eine weitere Getreidemenge im Wert von 2.300 Gulden. Gleichzeitig nahm Rothenburg kurz vor dem Krieg erhebliche Kredite auf; Toppler brachte aus Nürnberg fast 6.000 Gulden für die Stadt mit zurück.
Das waren keine abstrakten Finanzgeschäfte mehr.
Rothenburg kaufte sich damit Zeit.
17. Juli 1407 – Der Krieg beginnt
KI-generiertes BildNach der von Ludwig Schnurrer ausgewerteten Überlieferung begann der eigentliche Angriff am 17. Juli 1407.
Bemerkenswert ist das Datum aus einem anderen Grund:
Die offizielle Reichsacht gegen Rothenburg wurde erst vier Tage später, am 21. Juli, ausgesprochen.
König Ruprecht stellte dabei die Stadt und sogar die Rothenburger über 14 Jahre unter die Acht.
Für die Einwohner dürfte spätestens jetzt klar gewesen sein:
Das war keine gewöhnliche Auseinandersetzung mit einem benachbarten Ritter mehr.
Rothenburg stand politisch weitgehend isoliert.
Und draußen bewegte sich ein größeres Aufgebot auf das Rothenburger Territorium zu.
Wie groß war das Heer?
Das können wir nicht seriös auf eine genaue Zahl festlegen.
Spätere Darstellungen nennen Größenordnungen von ungefähr 8.000 bis weit über 10.000 Beteiligten. Die belastbare mittelalterliche Quellenbasis für solche exakten Zahlen ist jedoch unklar.
Deshalb sollten wir für unsere Darstellung vorsichtiger bleiben:
Es war ein großes fürstliches und adeliges Aufgebot mit Rittern, bewaffneten Knechten und angeworbenen Kriegskräften – groß genug, um gleichzeitig gegen mehrere Rothenburger Außenpositionen vorzugehen, aber offenbar nicht stark oder finanzkräftig genug, um die befestigte Stadt selbst zu bezwingen.
Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Rothenburger Geschichte formuliert entsprechend, dass das Reichsaufgebot zwar die Rothenburger Burgen im Umland eroberte, aber für die Einnahme der stark befestigten Stadt nicht ausreichte.
Die Angreifer gehen nicht zuerst auf Rothenburg los
Wer sich einen mittelalterlichen Krieg vorstellt, denkt vielleicht zuerst an Tausende Männer, die mit Leitern gegen eine Stadtmauer stürmen.
1407 begann es anders.
Die Gegner griffen zunächst Rothenburgs äußere Machtstellung an.
Das war militärisch sinnvoll.
Warum direkt auf die stärksten Mauern losgehen, wenn man zuerst die Burgen, Vorräte und Verbindungen der Stadt zerstören konnte?
Die Angreifer wandten sich unter anderem gegen:
Habelsee, Endsee, Nordenberg, Lichtel und Gammesfeld.
Eine im 16. Jahrhundert von Lorenz Fries zusammengestellte Registratur nennt ausdrücklich den Würzburger Bischof sowie die Burggrafen Johann und Friedrich und vermerkt die Einnahme von Endsee und weiteren Rothenburger Plätzen. Eine Vereinbarung vom September 1407 beschäftigt sich anschließend genau mit diesen eroberten Schlössern sowie mit Gefangenen, Hausrat und Brandschatzungen.
Jetzt wurde aus dem politischen Konflikt etwas, das die Menschen auf dem Land unmittelbar traf.
Für einen Bauern sah dieser Krieg völlig anders aus
KI-generiertes BildInnerhalb Rothenburgs gab es Mauern. Auf dem Land gab es sie meistens nicht.
Ein Bauer konnte nicht entscheiden, ob der Streit zwischen einem König, einem Burggrafen und seinem Rothenburger Rat gerechtfertigt war.
Er sah zunächst bewaffnete Männer.
Und er wusste:
- Sein Haus konnte brennen
- Sein Vieh konnte weggenommen werden
- Sein Getreide konnte verschwinden
Gerade darin bestand ein wesentlicher Teil mittelalterlicher Fehdeführung. Man versuchte nicht nur, gegnerische Soldaten zu schlagen. Man schädigte gezielt die wirtschaftliche Grundlage des Gegners – Felder, Höfe, Vieh und abhängige Untertanen waren deshalb besonders verwundbar.
Und 1407 traf der Krieg Rothenburg ausgerechnet zur schlimmstmöglichen Zeit.
Es war Erntezeit.
Die Überlieferung berichtet, dass der gesamte Getreideertrag des Rothenburger Hinterlandes entweder den Gegnern in die Hände fiel oder auf den Feldern vernichtet wurde.
Man muss sich die Konsequenz klarmachen:
Was dort verbrannte oder geraubt wurde, war nicht nur „Sachschaden“.
Es war das Brot für den kommenden Winter.
Es war Saatgut. Es war Einkommen.
Es war die Lebensgrundlage ganzer Familien.
Hinter den Mauern wird es eng
Rothenburg selbst hatte damals wahrscheinlich knapp 5.000 Einwohner – für die Zeit eine beachtliche Größe.
Während der Fehde sollen Menschen aus dem Umland und ein Teil ihres Viehs Schutz hinter den Stadtmauern gesucht haben. Für den Umfang dieser Fluchtbewegung besitzen wir keine exakten Zahlen.
Aber der Vorgang ist plausibel und wird in der lokalen Forschung ausdrücklich beschrieben.
Damit verändert sich auch die Vorstellung von einer „sicheren Stadt“.
Sicher bedeutete nicht bequem.
Es bedeutete:
- innerhalb der Mauern sein
- die Tore kontrollieren
- Vorräte zählen
- Tiere unterbringen
- Wachen stellen.
Und jeden Tag darauf hoffen, dass die gespeicherten Lebensmittel länger reichen als das Geld und die Geduld der Gegner.
Wir wissen nicht, was eine bestimmte Rothenburger Familie an einem bestimmten Abend dachte. Darüber schweigen die Quellen.
Aber wir kennen die Situation.
Draußen wurde das eigene Land verwüstet. Burgen fielen. Die Stadt stand unter Reichsacht.
Und niemand konnte wissen, ob die Mauern in einigen Wochen noch schützen würden.
Nordenberg hält sich
Besonders hart wurde offenbar um Burg Nordenberg gekämpft.
KI-generiertes BildDie Anlage lag nordöstlich von Rothenburg und war eine der bedeutendsten Außenpositionen des reichsstädtischen Territoriums.
Das Haus der Bayerischen Geschichte bestätigt eine längere Belagerung der Burg im Jahr 1407. Schließlich wurde Nordenberg eingenommen und geschleift. Der mächtige Bergfried wurde 1408 sogar mit Pulver gesprengt; ein Teil seiner Mauer stürzte dabei als gewaltige Scheibe um und ist noch heute erhalten.
Auch Endsee wurde länger belagert und schließlich genommen.
Für die Angreifer bedeutete das:
Erfolg.
Eine nach der anderen verschwanden die vorgeschobenen Verteidigungsstellungen Rothenburgs.
Doch mit jeder belagerten Burg verging auch Zeit. Und Zeit kostete Geld.
Wie sah die Situation für die Angreifer aus?
Auch auf der anderen Seite war dieser Krieg kein einfacher Feldzug.
Ein Heer musste jeden Tag versorgt werden.
Menschen brauchten Nahrung.
Pferde brauchten Futter.
Söldner erwarteten Sold.
Belagerungen benötigten Material, Werkzeuge und Mannschaften.
Und das alles musste bezahlt werden.
Die Strategie gegen Rothenburg war deshalb logisch:
Das Umland zerstören, die Außenburgen ausschalten, die Stadt einschließen und warten.
Ein verlustreicher Sturm auf die hohen Mauern wäre wesentlich riskanter gewesen.
Die erhaltenen Darstellungen sprechen deshalb von einer Einschließung und einem Versuch, Rothenburg auszuhungern. Einen erfolgreichen großen Sturm auf den eigentlichen Stadtmauerring können wir für 1407 nicht nachweisen.
Für einen Kriegsmann außerhalb der Stadt dürfte die Perspektive also ebenfalls ernüchternd gewesen sein.
Vor ihm lag eine befestigte Stadt auf einer Höhe.
Drinnen waren Vorräte.
Draußen musste das Heer selbst Tag für Tag versorgt werden.
Und jeder weitere Tag verschlang Geld.
Die Mauern gewinnen Zeit
Genau jetzt zahlte sich Rothenburgs Vorbereitung aus.
Die Stadt hungerte nicht schnell genug.
Die Gegner hatten zwar das Land schwer getroffen und wichtige Burgen erobert, aber der eigentliche Kern blieb unerreichbar.
Rothenburg saß hinter seinen Mauern.
Und wartete.
Die Angreifer saßen davor.
Und bezahlten.
Das ist vielleicht der entscheidende Punkt der ganzen Fehde:
Rothenburg musste den Gegner nicht auf offenem Feld besiegen.
Es musste nur länger durchhalten.
Ein Krieg ohne große Entscheidungsschlacht
Das unterscheidet 1407 stark von unserem modernen Bild eines Krieges.
Es gab vor Rothenburg offenbar keine einzelne große Schlacht, nach der ein Sieger feststand.
Stattdessen gab es Wochen der Gewalt:
- Burgen wurden belagert
- Orte wurden besetzt
- Getreide wurde vernichtet
- Menschen gerieten in Gefangenschaft
- Brandschatzungen wurden erhoben
- die Stadt wurde eingeschlossen-
Verhandlungen liefen parallel weiter
Eine Vereinbarung vom 3. September 1407, unmittelbar nach dem Waffenstillstand, regelte ausdrücklich Fragen zu den eroberten Burgen, Gefangenen, Hausrat und Brandschatzungen. Schon die Themen dieses Dokuments lassen erkennen, wie dieser Krieg tatsächlich aussah.
Nicht eine heroische Schlacht entschied den Konflikt.
Am Ende entschieden Versorgung, Geld und politische Verhandlungen.
2. September 1407 – Die Waffen schweigen
Nach ungefähr sechs Wochen Kampf gelang schließlich die Vermittlung.
Vertreter des Marbacher Bundes schalteten sich ein.
Am 2. September 1407 wurde ein Waffenstillstand geschlossen.
Damit endete die unmittelbare Belagerung.
Aber Frieden war das noch nicht.
Schon einen Tag später regelten Würzburg und die beiden Nürnberger Burggrafen, wie mit den eroberten Rothenburger Burgen umzugehen sei.
Und bereits im Oktober beschwerte sich Rothenburg darüber, dass Bestimmungen des Waffenstillstands verletzt würden.
Der Krieg war vorbei.
Der Konflikt nicht.
Wer hatte eigentlich gewonnen?
Auf den ersten Blick könnte man sagen:
die Angreifer.
Sie hatten Rothenburgs Umland verwüstet.
Sie hatten bedeutende Burgen erobert.
Die Jahresernte war schwer getroffen.
Rothenburg war gezwungen worden, zu verhandeln.
Aber aus Sicht der Burggrafen und Würzburgs war das Ergebnis ebenfalls unbefriedigend.
Rothenburg selbst war nicht gefallen.
Und noch wichtiger:
Das große reichsstädtische Territorium fiel nicht einfach an die Sieger.
Die wissenschaftliche Forschung bezeichnet die Fehde deshalb für die Nürnberger Burggrafen ausdrücklich als erfolglos.
Für Rothenburg war es trotzdem kein Sieg.
Die Stadt hatte ihre Mauern gehalten.
Aber draußen war ein großer Teil dessen zerstört worden, was diese Stadt ernährte und ihre Herrschaft absicherte.
8. Februar 1408 – Der eigentliche Schlussstrich
KI-generiertes BildMonate später kam es in Mergentheim zum endgültigen Ausgleich.
Am 8. Februar 1408 wurde Frieden geschlossen.
Rothenburg kam aus der Reichsacht.
Der territoriale Besitzstand wurde im Wesentlichen anerkannt.
Doch die großen Außenburgen Nordenberg und Endsee sowie weitere befestigte Anlagen wie Habelsee, Lichtel und Gammesfeld sollten nicht wieder als militärische Stützpunkte der Reichsstadt funktionieren beziehungsweise mussten geschleift werden.
Das war ein schwerer Preis.
Rothenburg behielt sein Land.
Aber ein Teil des militärischen Netzes, mit dem dieses Land geschützt werden sollte, war zerstört.
Und dann richtet sich der Blick nach innen
Nun begann die Suche nach Verantwortung.
Der Krieg hatte Geld gekostet.
Die Ernte war verloren.
Burgen waren zerstört.
Rothenburg war nur knapp aus einer gefährlichen politischen Lage herausgekommen.
Und mitten in dieser Geschichte stand Heinrich Toppler.
Der Mann, der das große Rothenburger Territorium geschaffen hatte.
Der Mann, der die Stadt auf den Krieg vorbereitet hatte.
Aber auch der Mann, dessen riskante Politik sie in den Konflikt mit König, Burggrafen und Bischof geführt hatte.
Nur sieben Wochen nach dem Friedensschluss wurde Toppler von seinem eigenen Rat verhaftet.
Er sollte das Rathaus nicht mehr lebend verlassen.
Wie muss sich dieser Sommer angefühlt haben?
Wir können diese Frage nicht mit einer Quelle beantworten.
Kein Rothenburger Bauer des Jahres 1407 hat uns ein Tagebuch hinterlassen, in dem steht, was er empfand, als bewaffnete Männer auf sein Dorf zukamen.
Kein Kind beschreibt uns, wie es war, während einer Belagerung hinter der Stadtmauer zu leben.
Und kein einfacher Kriegsknecht erzählt, wie es sich anfühlte, wochenlang vor einer Stadt zu liegen, die einfach nicht aufgab.
Aber wir kennen genug Fakten, um die Situation zu verstehen.
Für die Menschen auf dem Land bedeutete der Krieg den möglichen Verlust von Haus, Vieh und Ernte.
Für die Menschen innerhalb Rothenburgs bedeutete er Schutz hinter Mauern – aber gleichzeitig die Ungewissheit, wie lange dieser Schutz halten würde.
Für die Angreifer bedeutete er zunächst schnelle Erfolge gegen das Umland und die Burgen – und anschließend einen teuren Stillstand vor einer Stadt, deren Mauern sie nicht überwinden konnten.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis über den Krieg von 1407:
Er wurde nicht durch eine große Schlacht entschieden.
Er war ein Kampf darum, wer länger durchhalten konnte.
Rothenburg verlor seine Burgen.
Die Angreifer verloren Geld und Zeit.
Das Land wurde verwüstet.
Die Stadt blieb stehen.
Und als die Soldaten schließlich abzogen, begann innerhalb der Mauern der letzte Akt dieser Geschichte: