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Blasiuskapelle - letzter Rest der alten Stauferburg

Die Blasiuskapelle im Burggarten ist das einzige größere erhaltene Gebäude der ehemaligen Rothenburger Reichsburg. Ihre Mauern reichen bis in die Stauferzeit des 12. Jahrhunderts zurück. Um 1400 wurde der Bau zur Kapelle umgestaltet; heute dient er als Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Ein Überrest der staufischen Reichsburg

Die Geschichte der Blasiuskapelle beginnt lange vor ihrer Nutzung als Kirche. 1142 ließ König Konrad III. auf dem Bergsporn über dem Taubertal eine Reichsburg errichten. Von dieser Anlage entwickelte sich die spätere Stadt Rothenburg weiter nach Osten.

Die heutige Blasiuskapelle entstand im Kern Mitte des 12. Jahrhunderts und ist damit eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Rothenburgs. Charakteristisch sind das massive Mauerwerk und die romanischen Fensterformen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bezeichnet den erhaltenen Bau als im Kern romanisch und hebt insbesondere das Buckelquadermauerwerk hervor.

War das Gebäude ursprünglich überhaupt eine Kapelle?

Hier ist die Forschung nicht vollkommen eindeutig.

Traditionell wurde das Gebäude als das „Hohe Haus der Herzöge“ beziehungsweise als repräsentativer Wohn- oder Palasbau der Burg interpretiert. Auch der Rothenburg Tourismus Service beschreibt es als ursprünglich weltliches Gebäude, das vermutlich repräsentativen Zwecken diente.

Neuere Untersuchungen formulieren vorsichtiger. Der Verein Alt-Rothenburg weist darauf hin, dass die ursprüngliche Funktion des Gebäudes nicht abschließend geklärt ist. Auch eine zweigeschossige Kapelle, wie sie von mittelalterlichen Kaiserburgen und Pfalzen bekannt ist, sei denkbar.

Für unseren Artikel würde ich diese Unsicherheit ausdrücklich stehen lassen. Gerade das macht den Bau historisch interessanter.

Das Ende der Burg

Die Rothenburger Burg verlor nach der Stauferzeit zunehmend ihre politische Bedeutung. Im 14. Jahrhundert gelangten immer größere Teile der Burganlage in den Besitz der Reichsstadt.

Traditionell wurde lange angenommen, das schwere Basler Erdbeben von 1356 habe die Rothenburger Burg zerstört. Inzwischen ist diese Erklärung umstritten. Historiker halten es für möglich, dass die Anlage zwar beschädigt wurde, Rothenburg Teile der Burg anschließend aber auch bewusst abtragen ließ. Für die wachsende Reichsstadt waren sowohl der Bauplatz als auch die wertvollen Steine interessant.

Die Blasiuskapelle blieb als bedeutendster Gebäuderest erhalten.

Vom Burggebäude zur Blasiuskapelle

1397 erlaubte König Wenzel der Stadt Rothenburg, die Kapelle St. Blasius wiederherzustellen. Dabei durften auch Steine aus den übrigen Burganlagen verwendet werden.

Die Arbeiten wurden in der Zeit des einflussreichen Bürgermeisters Heinrich Toppler durchgeführt. 1400 wurde die Kapelle erneut geweiht. Damit erhielt der ehemalige Burgbau im Wesentlichen seine neue sakrale Funktion.

Teile der romanischen Bausubstanz blieben dabei erhalten und sind bis heute sichtbar.

Eines der ältesten Kunstwerke Rothenburgs

Ein besonders bedeutendes Detail der Blasiuskapelle ist ein mittelalterliches Marienrelief mit dem Jesuskind und zwei betenden beziehungsweise fürbittenden Figuren.

Nach Einschätzung des Vereins Alt-Rothenburg entstand es wahrscheinlich nur wenige Jahre nach der ersten Erwähnung der Burg im Jahr 1143. Abgesehen von einigen Kapitellen gilt es damit als ältestes erhaltenes figürliches Kunstwerk Rothenburgs.

Diesen Punkt würde ich im Artikel unbedingt hervorheben und nach Möglichkeit mit einem Detailfoto versehen.

Vom Sakralraum zur Gedenkstätte

Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Restaurierungen und Umbauten erfolgten unter anderem im 19. Jahrhundert; weitere Erneuerungen sind für das frühe 20. Jahrhundert dokumentiert. Zuletzt wurde die Blasiuskapelle 2022 saniert.

Heute dient sie nicht mehr als regulär genutzte Kirche, sondern vor allem als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Im Innenraum befinden sich entsprechende Gedenktafeln mit den Namen der Toten.

Der Pogromstein neben der Kapelle

Unmittelbar neben der Blasiuskapelle befindet sich außerdem eine Kopie des mittelalterlichen Pogromsteins. Er erinnert an die Ermordung der jüdischen Bevölkerung Rothenburgs während des sogenannten Rintfleisch-Pogroms von 1298.

Das Original befindet sich heute im RothenburgMuseum. Die Verbindung dieses Erinnerungsortes mit der ehemaligen Burg ist historisch besonders bedeutend, da jüdische Rothenburger während des Pogroms auf dem Burgareal Schutz gesucht hatten.

Vor Ort

Besucherinfo

Gründungsjahr
1142
Zugang
Kostenlos
Öffentlich zugänglich
Teilweise
Besuchsbereich
Innen- und Außenbereich

Fotos