Ort

Der Weiße Turm

Der Weiße Turm steht heute mitten in der Rothenburger Altstadt. Als er im späten 12. Jahrhundert entstand, sah das völlig anders aus: Hier verlief eine der frühen Grenzen der Stadt. Der mächtige Torturm gehörte zur älteren Stadtbefestigung und sicherte einen Zugang nach Norden – lange bevor Rothenburg bis zur heutigen äußeren Stadtmauer angewachsen war.

Der Weiße Turm – als hier noch die Stadt endete

Wer heute von der Georgengasse durch den Weißen Turm in Richtung Galgengasse geht, befindet sich mitten in der Rothenburger Altstadt. Im Mittelalter war das zunächst anders: Hier lag eine Grenze der frühen Stadt.

Der Weiße Turm gehörte zur älteren Stadtbefestigung Rothenburgs und war ein Stadttor. Zusammen mit dem Markusturm ist er eines der deutlichsten erhaltenen Zeugnisse dafür, dass Rothenburg ursprünglich wesentlich kleiner war als die Altstadt, die wir heute kennen.

Einer der ältesten erhaltenen Tortürme Rothenburgs

Der älteste Teil des Weißen Turms entstand Ende des 12. Jahrhunderts. Besonders das massive Erdgeschoss mit seinen kräftigen Steinquadern gehört zu dieser frühen Bauphase.

Damit ist der Weiße Turm älter als große Teile der heute sichtbaren äußeren Stadtbefestigung.

Bereits im 13. Jahrhundert wuchs Rothenburg über seine frühe Grenze hinaus. Neue Stadtbereiche entstanden und wurden nach und nach in größere Befestigungsanlagen einbezogen. Der Weiße Turm verlor dadurch seine ursprüngliche Lage am Stadtrand.

Aus einem Tor am Rand wurde ein Tor mitten in der Stadt.

Das Innere Würzburger Tor

Der Weiße Turm wird deshalb auch als Inneres Würzburger Tor bezeichnet.

Wer die Stadt an dieser Stelle verließ, bewegte sich in Richtung des später errichteten äußeren Würzburger Tores – des heutigen Galgentores.

Zwischen beiden Toren liegt die heutige Galgengasse. Dadurch lässt sich die Entwicklung Rothenburgs hier besonders gut nachvollziehen: Der Weiße Turm markiert die ältere Stadtgrenze, das weiter östlich gelegene Galgentor eine spätere Erweiterung.

Die beiden Tore stehen damit gewissermaßen für zwei unterschiedliche Größen Rothenburgs.

Der Turm wurde immer wieder verändert

Der Weiße Turm ist kein Bauwerk, das seit dem Mittelalter unverändert geblieben ist.

Sein Erdgeschoss stammt aus dem späten 12. Jahrhundert. Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts kam eine Steintreppe hinzu. Die oberen Geschosse sowie das markante Zeltdach mit seinem breiten Aufbau und der kleinen Laterne erhielten ihre heutige Form im Wesentlichen um 1730.

Wer den Turm betrachtet, sieht deshalb mehrere Jahrhunderte Baugeschichte übereinander.

Zerstört und wiederaufgebaut

Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ am Weißen Turm deutliche Spuren.

Bei der Zerstörung großer Teile des östlichen Rothenburgs im Jahr 1945 wurde auch der Turm schwer beschädigt und brannte aus. Nach dem Krieg wurde er wiederhergestellt.

Das heutige Erscheinungsbild verbindet deshalb mittelalterliche Bausubstanz, spätere Umbauten und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein guter Ort, um Rothenburgs Wachstum zu verstehen

Gerade weil der Weiße Turm heute nicht mehr am Rand der Stadt steht, ist er historisch besonders interessant.

Geht man heute hindurch, bemerkt man kaum, dass man dabei eine ehemalige Stadtgrenze überschreitet.

Vom Marktplatz kommend lag hinter diesem Tor einst das Gebiet außerhalb beziehungsweise am Rand des frühen Rothenburgs. Später wuchs die Stadt weiter nach Osten, bis eine neue Befestigungslinie mit dem Galgentor entstand.

Der Weiße Turm blieb bestehen und wurde Teil der gewachsenen Stadt.

So zeigt er bis heute sehr anschaulich, dass Rothenburg nicht innerhalb einer einzigen Stadtmauer entstand, sondern sich über Jahrhunderte Schritt für Schritt vergrößerte.

Vor Ort

Besucherinfo

Zugang
Eingeschränkt
Öffentlich zugänglich
Ja
Barrierefreiheit
Nein

Fotos