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Grüner Markt – alter Handelsplatz hinter dem Rathaus
Der Grüne Markt liegt zwischen Rathaus und St.-Jakobs-Kirche im Herzen der Rothenburger Altstadt. Schon im Mittelalter wurde hier mit Lebensmitteln gehandelt. Heute ist der Platz vor allem während Veranstaltungen belebt – vom historischen Handwerkermarkt über das Weindorf bis zum Reiterlesmarkt.
Vom Högelmarkt zum Grünen Markt
Die Geschichte des Platzes steckt bereits in seinem Namen. Eine lokale historische Quelle nennt als ältere Bezeichnung „Högelmarkt“. Das Wort wird auf „Hocke“ beziehungsweise „Hoke“ zurückgeführt – eine Bezeichnung für Kleinverkäufer, die rohe beziehungsweise unverarbeitete Lebensmittel anboten.
Damit gehörte der Platz zu einem System verschiedener spezialisierter Märkte innerhalb Rothenburgs. Auch andere Straßennamen wie Milchmarkt oder Schrannenplatz erinnern daran, dass Lebensmittel und Waren nicht zwangsläufig an einem einzigen zentralen Marktplatz gehandelt wurden.
Der Grüne Markt war somit in erster Linie ein Versorgungs- und Handelsort für den täglichen Bedarf.
Mitten zwischen Rathaus und St. Jakob
Der Platz liegt unmittelbar hinter beziehungsweise nördlich des Rathauses und geht nahezu fließend in den Kirchplatz vor St. Jakob über. Diese Lage ist historisch günstig: Der große Marktplatz, das Rathaus als politisches Zentrum und die Stadtkirche lagen nur wenige Schritte voneinander entfernt.
Noch heute wirkt der Grüne Markt weniger wie ein streng abgegrenzter Platz als wie ein kleiner innerstädtischer Raum zwischen mehreren Gassen und Plätzen. Gerade dadurch verbindet er Marktplatz, Kirchplatz und die nördlichen Bereiche der Altstadt miteinander.
Historische Häuser rund um den Platz
Auch die Bebauung zeigt, dass dieser Teil Rothenburgs seit Jahrhunderten dicht genutzt wird.
Besonders interessant ist das Anwesen Grüner Markt 2. Die mittelalterliche Gebäudegruppe aus Wohnhaus, Torhaus und Rückgebäude wurde dendrochronologisch auf 1513 datiert. Charakteristisch sind die steilen Dächer, Fachwerkgeschosse und der Innenhof.
Das Haus Grüner Markt 3 besitzt einen Kern aus dem 16. Jahrhundert, ebenso das schmale Gebäude Grüner Markt 7. Andere Häuser wie Grüner Markt 6 und 10 stammen im Kern beziehungsweise in ihrer heutigen Gestalt aus dem 18. Jahrhundert. Dadurch stehen rund um den kleinen Platz Gebäude aus mehreren Jahrhunderten unmittelbar nebeneinander.
Für unseren Artikel finde ich diesen Aspekt wichtiger als eine lange Architekturauflistung: Der Grüne Markt zeigt sehr schön, wie sich die Altstadt über Jahrhunderte verändert hat, ohne ihre historische Parzellenstruktur vollständig zu verlieren.
Heute kein regulärer Wochenmarkt mehr
Der Name kann heute etwas in die Irre führen: Der reguläre Rothenburger Wochenmarkt findet derzeit samstags von 8 bis 12 Uhr auf dem Marktplatz statt und nicht auf dem Grünen Markt. Bei Veranstaltungen kann er beispielsweise auf den Schrannenplatz verlegt werden.
Der Grüne Markt hat seine Funktion als Veranstaltungs- und Begegnungsort jedoch behalten.
Historische Märkte und Feste
Besonders deutlich wird das am Pfingstwochenende während des Historischen Festspiels „Der Meistertrunk“. Grüner Markt und Kirchplatz werden dann zu einem historischen Händler- und Handwerkermarkt mit zahlreichen Ständen, Handwerkern und gastronomischen Angeboten.
Auch während der Reichsstadt-Festtage dient der Platz historischen Gruppen als Lager- und Veranstaltungsbereich.
Im Advent gehört der Grüne Markt außerdem zum Reiterlesmarkt. Der Weihnachtsmarkt erstreckt sich traditionell über Marktplatz, Grünen Markt, Kirchplatz und Teile des Rathauses.
Das Rothenburger Weindorf
Eine völlig andere Atmosphäre entsteht im Sommer. Beim Rothenburger Weindorf verwandeln sich Grüner Markt und Kirchplatz für mehrere Tage in einen gastronomischen Veranstaltungsbereich.
Regionale Gastronomen und Winzer bieten dort fränkische Weine und Speisen an. Auch 2026 fand das Weindorf wieder rund um Grünen Markt und Kirchplatz statt.
Daneben wird der Platz für weitere Veranstaltungen genutzt, beispielsweise den Kunst- und Designmarkt HandmadeART.
Ein kleiner Platz mit alter Funktion
Der Grüne Markt gehört nicht zu den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Rothenburgs. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, dass hier eine sehr alte Funktion der Stadt bis heute erkennbar bleibt.
Im Mittelalter kamen Menschen hierher, um Lebensmittel zu verkaufen und einzukaufen. Heute treffen sich Besucher und Einheimische während Märkten und Festen. Handel und Begegnung prägen den Platz damit seit Jahrhunderten – auch wenn sich die angebotenen Waren längst verändert haben.
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