Ort
Heilig-Geist-Kirche
Die Heilig-Geist-Kirche liegt im historischen Spitalviertel im Süden der Rothenburger Altstadt. Sie entstand als Kirche des mittelalterlichen Spitals, das Reisende, Arme, Alte und Kranke aufnahm. Besonders sehenswert ist das kunstvolle Sakramentshäuschen aus der Zeit um 1390.
Das Neue Spital vor den Toren der Stadt
Die Geschichte der Heilig-Geist-Kirche ist eng mit dem mittelalterlichen Spitalwesen Rothenburgs verbunden. Bereits im 13. Jahrhundert gab es bei St. Johannis ein von den Johannitern betreutes Spital. Mit dem Wachstum der Stadt lag dieses jedoch zunehmend innerhalb der Bebauung.
Deshalb entstand südlich der damaligen Stadtbefestigung ein neues Spital. Bereits 1281 ist ein Ablass zur Finanzierung des Baus überliefert. Weitere Spenden und Stiftungen von Bürgern, Adeligen und Bewohnern des Umlandes halfen dabei, die Anlage aufzubauen.
Das Spital hatte eine wesentlich breitere Aufgabe als ein heutiges Krankenhaus. Es nahm Reisende und Pilger auf, versorgte Arme und Bedürftige und bot alten oder gebrechlichen Menschen Unterkunft. Gerade Reisende, die Rothenburg nach Schließung der Stadttore erreichten, konnten hier außerhalb des engeren Mauerrings übernachten.
Die Entstehung der Kirche
Die Kirche bildete den religiösen Mittelpunkt des Spitals. 1308 wurde ihr Altar durch den Eichstätter Zisterzienserbischof Philipp geweiht.
Organisiert wurde das Spital zunächst durch eine Bruderschaft, die sich am berühmten Heilig-Geist-Spital Santo Spirito in Sassia in Rom orientierte. Eine formelle Zugehörigkeit zu diesem Orden bestand allerdings nicht. Die Rothenburger Gemeinschaft übernahm vor allem das Patrozinium des Heiligen Geistes.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts gewann der Rat der Reichsstadt zunehmend Einfluss auf das inzwischen bedeutende und wohlhabende Spital. Damit entwickelte sich die Einrichtung von einer ursprünglich bruderschaftlich organisierten Stiftung zu einer wichtigen städtischen Institution.
Kirche und Spital als Teil der Stadt
Das Spitalviertel wurde später in die stark erweiterte Stadtbefestigung Rothenburgs einbezogen. Rund um Kirche, Spital und die zugehörigen Wirtschaftsgebäude entstand ein eigener Bereich der Stadt, dessen Struktur bis heute gut erkennbar ist.
Der große Spitalhauptbau, das Spitaltor mit seiner mächtigen Bastei und die Heilig-Geist-Kirche bilden deshalb gemeinsam eines der interessantesten historischen Ensembles im südlichen Teil Rothenburgs.
Die Kirche selbst ist ein schlichter einschiffiger Bau mit eingezogenem Chor und einem schlanken Turm an der Nordseite. 1591 wurde das Gebäude erneuert.
Das Sakramentshäuschen
Die kunsthistorisch bedeutendste Ausstattung befindet sich im Chor. Das Sakramentshäuschen aus der Zeit um 1390 gehört zu den bemerkenswertesten mittelalterlichen Details der Kirche.
Dargestellt ist unter anderem die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel. Darüber erscheint das Christuskind auf einem Regenbogen zwischen der himmlischen und der irdischen Welt.
Gerade dieses Detail lohnt einen genaueren Blick, da es zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsstücken der Kirche gehört.
Heilig Geist und die Reformation
Auch während der Reformation spielte die Spitalkirche eine wichtige Rolle. Als die konfessionellen Verhältnisse in Rothenburg noch nicht endgültig geklärt waren, entwickelte sich die Heilig-Geist-Gemeinde zeitweise zu einem wichtigen Zentrum der evangelischen Bevölkerung.
Von 1548 bis 1553 wirkte hier beispielsweise Primož Trubar, der slowenische Reformator und Begründer der slowenischen Schriftsprache, während seines Aufenthalts im Rothenburger Exil als Geistlicher.
Nachdem 1556 auch St. Jakob endgültig evangelisch geworden war, blieb Heilig Geist als zweite evangelische Stadtpfarrei bestehen.
Bis heute eine lebendige Kirche
Die Heilig-Geist-Kirche ist heute evangelisch-lutherisch und wird weiterhin kirchlich genutzt. Gleichzeitig erinnert sie an einen wichtigen Teil des mittelalterlichen Alltags, der bei einem Rundgang durch Rothenburg leicht übersehen wird.
Während große Kirchen wie St. Jakob vor allem von Glauben, Kunst und Repräsentation erzählen, zeigt Heilig Geist eine andere Seite der Stadtgeschichte: Fürsorge für Reisende, Arme, Alte und Kranke gehörte ebenfalls zum Leben einer mittelalterlichen Stadt.
Vor Ort
Besucherinfo
- Gründungsjahr
- 1280
- Bauzeit
- 1280–1308
- Zugang
- Kostenlos
- Öffentlich zugänglich
- Ja
- Barrierefreiheit
- Ja
- Besuchsbereich
- Innen- und Außenbereich