Ort
Klostergarten – Ruhe hinter den Mauern des ehemaligen Dominikanerinnenklosters
Mitten in der Altstadt und dennoch überraschend ruhig liegt der Klostergarten neben dem RothenburgMuseum. Rasenflächen, alte Bäume, Kräuterbeete und historische Klostermauern schaffen einen geschützten Rückzugsort nur wenige Minuten vom Marktplatz entfernt. Gleichzeitig erinnert der Garten an das ehemalige Dominikanerinnenkloster und an die Klosterkirche, die einst an dieser Stelle stand.
Das Dominikanerinnenkloster
Die Geschichte des Ortes beginnt im 13. Jahrhundert. Im Jahr 1258 stiftete der Reichsküchenmeister Lupold von Nordenberg das Gelände für ein Frauenkloster. Bereits ein Jahr später zogen Nonnen aus Würzburg und dem benachbarten Neusitz nach Rothenburg.
Das Kloster wuchs in den folgenden Jahrhunderten zu einer umfangreichen Anlage heran. Neben den Konventsgebäuden gehörten eine Kirche, Wirtschaftsbereiche und Gartenflächen dazu. Der Besitz erstreckte sich zeitweise fast bis zur Klingengasse und zur heutigen Klostergasse.
Mit der Reformation verlor das Dominikanerinnenkloster seine ursprüngliche Funktion. 1554 starb die letzte Nonne, anschließend fiel der Besitz an die Stadt Rothenburg.
Wo einst die Klosterkirche stand
Der heutige Klostergarten besitzt eine besondere historische Bedeutung: An der Südseite des heutigen RothenburgMuseums stand früher die Kirche des Dominikanerinnenklosters.
Nach dem Übergang Rothenburgs an Bayern wurde die ehemalige Klosterkirche 1812/13 abgebrochen. Damit verschwand eines der wichtigsten Gebäude der Klosteranlage. Teile des heutigen Gartens liegen dort, wo sich einst die Kirche befand.
Interessant ist dabei eine kleine Unterscheidung: Der ursprüngliche innere Klostergarten befand sich auch im heutigen Kreuzhof des Museums. Der heute öffentlich zugängliche Klostergarten vor dem Museum umfasst dagegen insbesondere den Bereich der ehemaligen Kirche und angrenzende Klosterflächen.
Heilkräuter der Dominikanerinnen
Zum Charakter des Gartens gehört heute ein Heilkräuterbeet.
Es wird angenommen, dass bereits die Dominikanerinnen Heil- und Nutzkräuter kultivierten. Die heutige Anlage greift diese Tradition bewusst wieder auf. Zahlreiche Kräuter sind mit kleinen Schildern bezeichnet und erinnern daran, dass Klostergärten nicht nur der Erholung dienten.
Pflanzen wurden als Heilmittel, Gewürze und Lebensmittel genutzt. Die heutige touristische Beschreibung nennt rund 50 unterschiedliche Kräuter im Garten. Die Verbindung mit den Lehren Hildegards von Bingen wird dabei als wahrscheinlich beziehungsweise vermutet beschrieben und sollte deshalb nicht als gesicherte historische Tatsache dargestellt werden.
Eine wechselvolle Geschichte im 20. Jahrhundert
Auch nach dem Ende des Klosters blieb der Garten keineswegs unverändert.
1939/40 wurde er für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bereits 1941 jedoch wieder verpachtet. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Fläche zum Gemüseanbau genutzt.
Nach 1945 diente der Garten auch Flüchtlingen und der vom Krieg betroffenen Bevölkerung als Erholungsraum. Mit Rasenflächen, Obstbäumen und Flieder wurde er neu gestaltet und 1949 wieder öffentlich zugänglich gemacht.
Die Gestaltung wurde danach mehrfach verändert. Heute ist daraus wieder ein öffentlicher Garten entstanden, der die historische Umgebung mit einer bewusst naturnahen Nutzung verbindet.
Natur mitten in der Altstadt
Der Klostergarten ist heute vor allem ein Ort zum Sitzen, Lesen und Ausruhen.
Große Rasenflächen und Bäume bilden einen deutlichen Kontrast zu den engen Gassen der Altstadt. Gleichzeitig bleiben die historischen Klostergebäude, Mauern und der Blick in Richtung St.-Jakobs-Kirche ständig präsent.
Seit September 2023 trägt der Garten außerdem die Zertifizierung „Natur im Garten“. Hinzugekommen ist unter anderem ein gemeinsam mit Kindern des Jugendzentrums und der Stadtgärtnerei gebautes Insektenhotel.
Gelegentlich wird die historische Umgebung auch kulturell genutzt. Im Rahmen von „Kultur im Klosterhof“ finden Konzerte und Ausstellungen statt. Ganz in der Nähe befindet sich außerdem das Toppler Theater.
Ein guter Platz für eine Pause
Der Klostergarten ist gerade deshalb interessant, weil man dafür keinen langen Weg aus der Altstadt zurücklegen muss.
Vom Marktplatz oder von St. Jakob erreicht man ihn in wenigen Minuten. Trotzdem ist die Atmosphäre wesentlich ruhiger als an den stark besuchten Sehenswürdigkeiten.
Für unseren Reisebegleiter würde ich ihn deshalb auch gezielt unter „Ruhige Orte“, „Pause“, „Gärten“ und „Natur in der Altstadt“ einordnen.
Vor Ort
Besucherinfo
- Gründungsjahr
- 1258
- Zugang
- Kostenlos
- Öffentlich zugänglich
- Saisonal
- Barrierefreiheit
- Teilweise