Ort

Kobolzeller Tor und Kohlturm

Das Kobolzeller Tor gehört zu den besonders interessanten, aber häufig unterschätzten Toranlagen Rothenburgs. Vom bekannten Plönlein führt die Kobolzeller Steige steil hinunter zur vollständig erhaltenen Befestigungsanlage mit Torturm, Vorwerk, Fanghof, Wehrgang, ehemaligem Zollhaus und der sogenannten Teufelskanzel. Direkt daneben steht mit dem Kohlturm ein weiterer Wehrturm der Stadtmauer.

Wer durch das Kobolzeller Tor weiter bergab geht, verlässt die Altstadt in Richtung Taubertal und Doppelbrücke. Damit verbindet dieser Ort wie kaum ein anderer die befestigte Stadt oben auf dem Höhenrücken mit der Landschaft und den historischen Verkehrswegen tief unten im Tal.

Vom Plönlein hinunter zum Kobolzeller Tor

Der Weg zum Kobolzeller Tor beginnt an einem der bekanntesten Orte Rothenburgs.

Am Plönlein teilt sich die Straße:

geradeaus beziehungsweise links führt der Weg durch den Siebersturm in Richtung Spitalviertel
rechts führt die Kobolzeller Steige steil hinunter in Richtung Taubertal

Der Turm unmittelbar am Plönlein ist also nicht das Kobolzeller Tor, sondern der Siebersturm.

Das eigentliche Kobolzeller Tor liegt deutlich tiefer am Hang.

Gerade dieser Höhenunterschied macht den Weg interessant. Innerhalb weniger Minuten verlässt man die dicht bebaute Altstadt und bewegt sich immer weiter hinunter zum Taubertal.

Ein Tor für den Zugang aus dem Taubertal

Das Kobolzeller Tor sicherte den südwestlichen Zugang zur Stadt.

Von unten führte der Weg aus dem Taubertal über die Kobolzeller Steige hinauf nach Rothenburg. Wer von der Doppelbrücke und aus dem Tal in die Stadt gelangen wollte, musste diese Toranlage passieren. Der einstmals im Taubertal gelegene Ort Kobolzell gab dem Tor seinen Namen.

Für Rothenburg war dieser Zugang deshalb besonders wichtig.

Die Stadt liegt weit über der Tauber. Wege aus dem Tal mussten den steilen Hang überwinden und wurden an wenigen Stellen durch die Befestigung geführt.

Das Gelände selbst half dabei bereits bei der Verteidigung:

Ein Angreifer musste zunächst den steilen Aufstieg bewältigen, bevor er überhaupt die Toranlage erreichte.

Der Kobolzeller Torturm

Der Torturm gehört zu den älteren Bestandteilen der Anlage.

Sein Kern wird auf die Zeit um 1330 datiert. Der Turm wurde im Wesentlichen nach 1356 erneuert beziehungsweise ausgebaut. Sein heutiges oberes Erscheinungsbild mit Mansardwalmdach geht auf einen Umbau aus dem Jahr 1727 zurück.

Der fünfgeschossige Turm ist damit wieder ein gutes Beispiel dafür, wie sich Rothenburgs Befestigung über mehrere Jahrhunderte entwickelte.

Was wir heute sehen, stammt nicht aus einem einzigen Baujahr.

Mittelalterlicher Kern, spätere Verstärkungen und frühneuzeitliche beziehungsweise barocke Umbauten bilden gemeinsam das heutige Erscheinungsbild.

Eine vollständig erhaltene Toranlage

Besonders bemerkenswert ist, dass das Kobolzeller Tor vollständig erhalten geblieben ist.

Zur Anlage gehören:

  • der eigentliche Torturm
  • die Torbarbakane
  • ein eingefasster Vorhof beziehungsweise Fanghof
  • ein weiteres Vorwerk
  • das äußere Vortor
  • Wehrgänge
  • die Zufahrtsrampe
  • das ehemalige Zollhaus
  • die sogenannte Teufelskanzel

Damit ähnelt das Grundprinzip dem Rödertor:

Wer das erste Hindernis überwunden hatte, stand noch lange nicht innerhalb der Stadt.

Der Fanghof

Zwischen den einzelnen Teilen der Toranlage befindet sich ein kontrollierter Vorhof.

Auch hier wurde ein möglicher Angreifer durch die Architektur gezwungen, einen vorgegebenen Weg zu nehmen.

Die Verteidiger konnten den Bereich:

  • von der Mauer beobachten
  • von erhöhten Positionen kontrollieren
  • Zugänge schließen
  • Eindringlinge zwischen mehreren Verteidigungslinien festhalten

Der steile Anstieg zur Stadt verstärkte diesen Vorteil zusätzlich.

Ein Angriff auf das Kobolzeller Tor bedeutete deshalb nicht einfach, ein einziges Tor aufzubrechen.

Mehrere Verteidigungsbereiche mussten nacheinander überwunden werden.

Die Teufelskanzel

Ein besonders interessantes Detail befindet sich an der Torbarbakane.

Dort springt ein kleiner wehrhafter Mauererker aus der Befestigung hervor, der den ungewöhnlichen Namen „Teufelskanzel“ trägt. Die Bayerische Denkmalliste führt ihn ausdrücklich als Bestandteil der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Torbarbakane.

Von dieser erhöhten Position ließ sich der Bereich unmittelbar an der Toranlage kontrollieren.

Der Name macht die Teufelskanzel heute zu einem kleinen Detail, das man leicht übersieht.

Unser Tipp: Beim Durchqueren des Tores nicht nur geradeaus gehen, sondern die Mauern und vorspringenden Wehrpositionen genauer betrachten.

Das ehemalige Zollhaus

Direkt an der Toranlage befindet sich außerdem ein ehemaliges Zollhaus.

Der kleine Fachwerkbau stammt aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.

Damit zeigt auch das Kobolzeller Tor wieder, dass Stadttore nicht ausschließlich militärische Anlagen waren.

Sie waren gleichzeitig kontrollierte Übergänge für:

  • Reisende
  • Händler
  • Fuhrwerke
  • Waren
  • Tiere

Wer hinein oder hinaus wollte, musste einen der wenigen kontrollierten Stadtzugänge benutzen.

Verteidigung und wirtschaftliche Kontrolle lagen damit unmittelbar nebeneinander.

Der Kohlturm

Direkt südlich der Kobolzeller Toranlage steht der Kohlturm.

Anders als der Kobolzeller Torturm war er kein eigener großer Stadtzugang, sondern ein Wachturm innerhalb der Stadtbefestigung.

Der viergeschossige, querrechteckige Turm springt aus der Stadtmauer hervor und stammt aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts.

Seine Lage unmittelbar neben dem Kobolzeller Tor war kein Zufall.

Ein Stadttor gehörte zu den Bereichen einer Befestigung, die besonders intensiv überwacht werden mussten. Zusätzliche Wehr- und Wachtürme ermöglichten es, das Gelände vor der Mauer und die Flanken des Tores besser einzusehen.

Kobolzeller Torturm, Kohlturm, Vorwerk und Wehrmauern sollten deshalb als zusammenhängendes Verteidigungssystem betrachtet werden.

Vom Kohlturm weiter entlang der Stadtmauer

Der Kohlturm steht gleichzeitig am Beginn eines besonders interessanten Abschnitts unserer Stadtmauer-Tour.

Zwischen Spitaltor und Kobolzeller Tor ist die Stadtmauer in voller Höhe erhalten. Ab dem Bereich des Sauturms ist auch der Wehrgang bis zum Kobolzeller Tor begehbar. Auf diesem Abschnitt liegen mehrere weitere historische Wehrtürme.

Dazu gehören unter anderem:

  • Kohlturm
  • Fischturm
  • Kalkturm
  • Stöberleinsturm
  • Sauturm

Diese kleineren Türme werden wir teilweise noch gesondert beziehungsweise als Teil der Stadtmauer-Tour vorstellen.

Warum die Befestigung auf der Talseite anders aussieht

Nördlich des Kobolzeller Tores führt die Stadtmauer weiter in Richtung Burgtor.

Auf dieser Seite fällt das Gelände sehr steil zum Taubertal ab.

Deshalb war die Befestigung hier teilweise weniger massiv ausgebaut als auf den leichter zugänglichen Seiten der Stadt. Das steile Gelände bildete bereits einen natürlichen Schutz. Die Stadtmauer erfüllte hier gleichzeitig teilweise die Funktion einer Stützmauer am Hang.

Das ist ein besonders schönes Beispiel dafür, dass mittelalterliche Befestigungen nicht überall gleich gebaut wurden.

Die Baumeister nutzten die Landschaft. Wo das Gelände flach war, musste stärker befestigt werden.

Wo ein steiler Hang bereits ein großes Hindernis darstellte, konnte die Verteidigungsanlage anders ausgelegt werden.

Durch das Tor direkt ins Taubertal

Wer das Kobolzeller Tor nach außen verlässt, sollte nicht sofort wieder umdrehen.

Die Kobolzeller Steige führt weiter hinunter ins Taubertal.

Von dort erreicht man unter anderem:

  • die Doppelbrücke
  • die Tauber
  • die Kobolzeller Kirche
  • den Landschaftsgarten An der Eich
  • verschiedene Spazier- und Wanderwege

Vom Kobolzeller Tor sind es über die Wege im Bereich An der Eich ungefähr 15 Minuten bis zur Doppelbrücke.

Der Abstieg lohnt sich auch deshalb, weil sich die Perspektive auf Rothenburg vollständig verändert.

Oben befindet man sich innerhalb der Stadt. Unten im Tal blickt man dagegen auf die Mauern, Türme und Häuser zurück, die hoch über einem auf dem Höhenrücken liegen.

Die Verbindung zur Doppelbrücke

Das Kobolzeller Tor und die Doppelbrücke gehören räumlich eng zusammen.

Die Kobolzeller Steige stellt einen der direkten historischen Wege zwischen der Stadt und dem Taubertal dar. Noch heute gehört sie zu den kürzesten Verbindungen vom Bereich der Doppelbrücke hinauf zum Plönlein.

Wer genügend Zeit hat, sollte deshalb nicht nur das Tor besuchen, sondern den Weg zumindest ein Stück weiter nach unten gehen.

Besonders interessant ist die umgekehrte Perspektive:

Von der Doppelbrücke aus lässt sich hervorragend erkennen, wie hoch Rothenburg tatsächlich über dem Taubertal liegt.

Fototipp

Der Bereich rund um das Kobolzeller Tor bietet besonders viele unterschiedliche Perspektiven.

Interessant sind:

  • der Blick die Kobolzeller Steige hinunter
  • der Torturm von der Stadtseite
  • Vorwerk und Torturm gemeinsam
  • der Kohlturm zusammen mit der Toranlage
  • der Blick durch mehrere Torbögen hintereinander
  • Details der Teufelskanzel
  • Wehrmauer und Zufahrtsrampe
  • der Blick vom unteren Bereich zurück auf die hoch gelegene Stadt

Stadtmauer und Türme vom Taubertal aus

  • der Blick von der Doppelbrücke hoch auf die Stadt

Besonders reizvoll ist es, ein Stück unterhalb des Tores stehen zu bleiben und zurück nach oben zu fotografieren.

Durch den steilen Straßenverlauf liegen Tor, Mauern und Gebäude auf unterschiedlichen Höhen übereinander. Dadurch entstehen Perspektiven, die man innerhalb der Altstadt kaum findet.

Gut zu wissen

Die Kobolzeller Steige besitzt einen deutlichen Höhenunterschied.

Wer vom Plönlein bis zum Tor und anschließend weiter zur Doppelbrücke hinuntergeht, sollte bedenken:

  • der Weg ist teilweise steil
  • historisches Pflaster kann bei Nässe rutschig sein
  • der Rückweg führt entsprechend wieder bergauf
  • festes Schuhwerk ist insbesondere für den Weg ins Taubertal sinnvoll

Wer nicht bis ins Tal gehen möchte, sollte trotzdem zumindest bis zum Kobolzeller Tor hinuntergehen.

Der kurze Abstecher vom Plönlein lohnt sich.

Fotonachweise

Fotos