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Der Markusturm – ein Rest der ersten Stadt

Der Markusturm mit dem Röderbogen gehört zu den ältesten Spuren der Rothenburger Stadtbefestigung. Heute steht das Ensemble mitten in der Altstadt – doch genau hier verlief einst eine frühe Grenze der Stadt. Wer durch den Röderbogen geht, durchquert damit einen Bereich, der bereits befestigt war, lange bevor Rothenburg seine heutige Größe erreichte.

Der Markusturm – ein Rest der ersten Stadt

Wer heute durch die Rödergasse läuft, könnte den Markusturm einfach für einen weiteren der vielen Türme Rothenburgs halten. Tatsächlich erzählt er jedoch von einer wesentlich älteren Stadt als die große Stadtmauer, die heute das bekannte Bild Rothenburgs prägt.

Der Markusturm gehört zu den ältesten erhaltenen Befestigungsbauten der Stadt. Zusammen mit dem Weißen Turm erinnert er an die erste Befestigung des frühen Rothenburgs. Damals war die Stadt deutlich kleiner als heute – große Teile der heutigen Altstadt lagen noch außerhalb der Mauern.

Eine frühere Stadtgrenze mitten in der heutigen Altstadt

Das ist das eigentlich Spannende am Markusturm: Heute befindet er sich fast selbstverständlich innerhalb der Stadt. Ursprünglich lag hier jedoch ein Zugang zu einem wesentlich kleineren Rothenburg.

Mit dem Wachstum der Stadt verlor diese erste Befestigung ihre ursprüngliche Bedeutung. Neue Wohnviertel entstanden außerhalb der alten Grenze und schließlich wurde ein größerer Mauerring errichtet. Die Verteidigungslinie wanderte nach außen – bis zum heutigen Rödertor.

Der Markusturm blieb stehen.

Damit kann man an dieser Stelle besonders gut nachvollziehen, wie Rothenburg gewachsen ist: Was einmal Stadtrand und Verteidigungsanlage war, wurde später Teil des innerstädtischen Straßennetzes.

Älter als der heutige Röderbogen

Markusturm und Röderbogen erscheinen heute wie ein zusammengehöriges Bauwerk. Historisch entstanden die sichtbaren Teile jedoch nicht gleichzeitig.

Der Markusturm gehört zur ältesten Befestigungsphase Rothenburgs und wird in der Bayerischen Denkmalliste in das 13. Jahrhundert datiert. Neuere historische Einordnungen gehen sogar davon aus, dass der Turm zunächst als Beobachtungsturm in Verbindung mit der nahe gelegenen staufischen Reichsburg gestanden haben könnte und erst anschließend Teil der frühen Stadtbefestigung wurde.

Der heute sichtbare Röderbogen ist deutlich jünger. Der Torbogen mit seinem schmalen Wehrgang und dem kleinen Uhrturm stammt in seiner heutigen Form im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert.

Das Ensemble zeigt deshalb nicht nur einen einzelnen Moment der Stadtgeschichte, sondern mehrere Bauphasen unmittelbar nebeneinander.

Vom Wehrturm zum Gefängnis

Nachdem die Stadt über ihre alte Befestigung hinausgewachsen war, wurde der massive Turm weiterhin genutzt. Der Markusturm diente unter anderem als Wach- und Gefängnisturm.

Im Keller befindet sich ein ehemaliges Verlies – ein Hinweis darauf, dass mittelalterliche Wehrtürme nach dem Verlust ihrer militärischen Bedeutung keineswegs nutzlos wurden. Ihre massiven Mauern machten sie auch für andere Aufgaben wertvoll.

Unmittelbar daneben liegt das ehemalige Büttelhaus, das ebenfalls als Gefängnis genutzt wurde und heute das Stadtarchiv Rothenburgs beherbergt.

Ein Stück der alten Stadt, das man leicht übersieht

Der Markusturm ist deshalb mehr als nur ein schönes Fotomotiv. An kaum einer anderen Stelle lässt sich so unmittelbar erkennen, dass Rothenburg nicht auf einmal innerhalb seines heutigen Mauerrings entstand.

Die Stadt wuchs in mehreren Phasen.

Und der Markusturm steht heute noch dort, wo eine dieser älteren Grenzen verlief – mitten in der heutigen Altstadt.

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