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Das Plönlein und der Sieberstum

Das Plönlein ist wahrscheinlich das bekannteste Fotomotiv Rothenburgs ob der Tauber und für viele Menschen weltweit zum Sinnbild der Stadt geworden. Das schmale Fachwerkhaus, der kleine Brunnen davor und die beiden Straßen, die sich dahinter in unterschiedliche Richtungen teilen, bilden zusammen mit Siebersturm und Kobolzeller Tor eines der unverwechselbarsten historischen Stadtbilder Deutschlands.

Dabei bezeichnet der Name Plönlein nicht nur das gelbe Fachwerkhaus, wie häufig angenommen wird. Gemeint ist das gesamte kleine Platzensemble mit Brunnen, Häusern und den beiden auseinanderlaufenden Straßen.

Was bedeutet Plönlein?

Der Name „Plönlein“ geht auf das lateinische „planum“ für einen ebenen Platz zurück. Der Name bezeichnet damit sinngemäß einen kleinen Platz. Zum historischen Ensemble gehört ausdrücklich auch der Brunnen vor dem charakteristischen Fachwerkhaus.

Das Plönlein gehört zu den Motiven, die weltweit unmittelbar mit Rothenburg ob der Tauber verbunden werden.

Wer vom Marktplatz durch die Schmiedgasse kommt, steht plötzlich vor zwei Möglichkeiten.

Links beziehungsweise leicht bergauf führt die Straße durch den Siebersturm weiter in das Spitalviertel.
Rechts fällt die Kobolzeller Steige deutlich ab und führt zum Kobolzeller Tor und weiter hinunter in das Taubertal.

Genau zwischen diesen beiden Wegen steht das schmale Fachwerkhaus, das den Mittelpunkt des bekannten Motivs bildet. Der höher gelegene Siebersturm erscheint links dahinter, während rechts tiefer am Hang Teile der Kobolzeller Toranlage sichtbar werden.

Diese unterschiedlichen Höhen sind ein wesentlicher Grund dafür, warum das Plönlein auf Fotos so außergewöhnlich wirkt.

Der Siebersturm

Der Siebersturm bildet den auffälligsten Hintergrund des klassischen Plönlein-Motivs.

Er gehörte zur mittelalterlichen Stadtbefestigung und führte in den später erweiterten Bereich des Spitalviertels.

Heute läuft die Spitalgasse direkt durch seinen Torbogen weiter in Richtung Spitaltor und Spitalbastei.

Hinunter zum Kobolzeller Tor

Der zweite Weg wird von vielen Besuchern deutlich weniger beachtet.

Rechts neben dem Fachwerkhaus führt die Kobolzeller Steige steil bergab.

Wer ihr folgt, erreicht die vollständig erhaltene Kobolzeller Toranlage und den benachbarten Kohlturm. Von dort geht es weiter hinunter zur Doppelbrücke und ins Taubertal.

Das Plönlein ist damit nicht nur ein Fotomotiv, sondern auch ein interessanter Knotenpunkt zwischen verschiedenen Teilen der historischen Stadt.

Von hier führen Wege:

  • zum Spitalviertel
  • zur Stadtmauer
  • zum Kobolzeller Tor
  • ins Taubertal
  • zur Doppelbrücke
  • zurück über die Schmiedgasse zum Marktplatz
  • Ein Motiv, das um die Welt ging

Das Plönlein ist längst weit über Rothenburg hinaus bekannt.

Seine Architektur und die charakteristische Anordnung von Fachwerkhaus, Straßen und Türmen wurden immer wieder in Kunst, Illustration und Gestaltung aufgegriffen.

Eine besonders bekannte Verbindung besteht zum Disney-Film „Pinocchio“ aus dem Jahr 1940. Nach Angaben des Rothenburg Tourismus Service diente die Architektur des Plönleins als Vorbild für eine der im Film dargestellten mittelalterlich wirkenden Kulissen beziehungsweise Gebäude.

Das sollte man allerdings nicht so verstehen, dass der gesamte Film in Rothenburg spielt.

Vielmehr wurde das charakteristische Erscheinungsbild des Plönleins zu einer jener europäischen Stadtansichten, die das Bild einer romantischen mittelalterlichen Stadt international mitgeprägt haben.

Warum wirkt das Plönlein so besonders?

Eigentlich besteht das Motiv aus relativ einfachen Elementen:

  • einem schmalen Fachwerkhaus
  • einem Brunnen
  • Kopfsteinpflaster
  • zwei historischen Straßen
  • zwei Türmen
  • mehreren Bürgerhäusern

Entscheidend ist jedoch, wie diese Elemente räumlich zueinander stehen.

Die beiden Straßen verlaufen nicht auf gleicher Höhe.

Während der Weg zum Siebersturm relativ eben beziehungsweise leicht ansteigend weiterführt, fällt die Kobolzeller Steige deutlich zum Taubertal ab.

Dadurch entsteht eine ungewöhnliche räumliche Tiefe.

Genau diese natürliche Bildkomposition macht das Plönlein fotografisch so stark.

Das kleine Fachwerkhaus

Das schmale Fachwerkhaus zwischen den beiden Straßen ist heute das eigentliche Wahrzeichen des Plönleins.

Mit seiner gelben Fassade, dem steilen Dach und der ungewöhnlichen Lage unmittelbar an der Straßengabelung wirkt es fast wie eine bewusst entworfene Filmkulisse.

Tatsächlich ist das Haus aber Bestandteil einer historisch gewachsenen Stadtstruktur.

Gerade diese Unregelmäßigkeit macht einen wesentlichen Teil seines Reizes aus.

Die Straßen wurden nicht angelegt, damit Jahrhunderte später ein perfektes Foto entsteht.

Das berühmte Motiv entstand vielmehr zufällig aus der Entwicklung der Stadt.

Der Brunnen gehört dazu

Direkt vor dem Fachwerkhaus befindet sich ein kleiner Brunnen.

Er wird auf vielen Fotos beinahe übersehen, gehört aber ausdrücklich zum historischen Ensemble des Plönleins.

Wie wichtig öffentliche Brunnen früher für eine Stadt waren, lässt sich heute leicht unterschätzen.

Bevor eine moderne Wasserversorgung existierte, gehörten Brunnen zu den alltäglichen Versorgungsstellen der Bewohner.

Damit steht auch am berühmtesten Fotopunkt Rothenburgs ein kleines Stück historischer Infrastruktur unmittelbar vor den Augen der Besucher.

Nicht nur stehen bleiben – beide Wege erkunden

Viele Besucher kommen zum Plönlein, machen ein Foto und gehen anschließend zurück in Richtung Marktplatz.

Dabei beginnt gerade hier ein besonders interessanter Teil Rothenburgs.

Wer Zeit hat, sollte beide Wege ausprobieren.

Durch den Siebersturm gelangt man:

  • ins Spitalviertel
  • zur Stadtmauer
  • zur Spitalbastei

Über die Kobolzeller Steige gelangt man:

  • zum Kobolzeller Tor
  • zum Kohlturm
  • weiter hinunter ins Taubertal
  • zur Doppelbrücke

Damit eignet sich das Plönlein hervorragend als Ausgangspunkt für mehrere unserer Rothenburg-Touren.

Fototipp – früh kommen

Wer das klassische Plönlein-Foto möglichst ohne große Besuchergruppen aufnehmen möchte, sollte früh am Morgen kommen.

Das Plönlein gehört während des Tages zu den meistbesuchten Punkten der Altstadt.

In den frühen Morgenstunden ist es dagegen häufig noch ruhig. Gleichzeitig sorgt das flache Morgenlicht je nach Jahreszeit für eine wesentlich weichere Beleuchtung der Fassaden.

Auch für Fotografen, die mit Stativ oder längeren Belichtungszeiten arbeiten möchten, ist diese Tageszeit deutlich angenehmer.

Das bekannte Motiv ist natürlich fast Pflicht.

Danach lohnt es sich aber, die Position zu verändern.

Interessante Möglichkeiten sind:

  • näher an das Fachwerkhaus herangehen
  • vom unteren Bereich der Kobolzeller Steige zurück nach oben fotografieren
  • den Siebersturm durch die Häuserzeilen rahmen
  • einzelne Fachwerkdetails aufnehmen
  • den Brunnen bewusst in den Vordergrund einbauen
  • vom Bereich des Siebersturms zurück auf das Plönlein schauen
  • nachts oder während der blauen Stunde fotografieren

Fototipp – zur blauen Stunde

Auch nach Sonnenuntergang lohnt sich ein Besuch.

Wenn die Straßenlaternen und Gebäude beleuchtet sind und der Himmel noch etwas Restlicht besitzt, bekommt das Plönlein eine völlig andere Atmosphäre.

Die warmen Lichter der Altstadt bilden dann einen starken Kontrast zum blauen Abendhimmel.

Wer tagsüber bereits das klassische Bild fotografiert hat, sollte deshalb nach Einbruch der Dämmerung noch einmal zurückkommen.

Im Winter und zur Weihnachtszeit

Das Erscheinungsbild des Plönleins verändert sich deutlich mit den Jahreszeiten.

Zur Adventszeit sorgen Weihnachtsbeleuchtung und geschmückte Häuser für eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

Im Winter kann das Plönlein – insbesondere bei Schnee – noch einmal vollkommen anders wirken.

Gerade weil nahezu jeder Besucher dasselbe Grundmotiv fotografiert, bieten Jahreszeit, Wetter und Tageszeit eine gute Möglichkeit, daraus ein individuelles Bild zu machen.

Gut zu wissen

Das Plönlein liegt nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt.

Vom Marktplatz führt der Weg über die Obere und Untere Schmiedgasse nahezu direkt zum Plönlein. Von der anderen Seite erreicht man es über die Spitalgasse.

Der Platz selbst kann jederzeit besucht werden.

Zu Stoßzeiten ist mit vielen Besuchern zu rechnen, da das Plönlein zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rothenburgs gehört.

Natürlich gehört das klassische Foto vom Plönlein zu einem Rothenburg-Besuch.

Aber bleiben Sie danach nicht einfach stehen und gehen wieder zurück.

Gehen Sie durch den Siebersturm, folgen Sie anschließend der Kobolzeller Steige ein Stück bergab und betrachten Sie den Platz aus verschiedenen Richtungen.

Erst dann wird aus dem weltbekannten Postkartenmotiv wieder das, was es eigentlich ist:

ein kleiner historischer Platz mitten in einer gewachsenen Stadt – und ein Ausgangspunkt zu einigen der interessantesten Bereiche Rothenburgs.

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