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Der Röderturm – Rothenburg von oben
Der Röderturm ist einer der markantesten Türme der Rothenburger Stadtbefestigung und zugleich einer der schönsten Aussichtspunkte der Altstadt. Nach 103 Stufen erreicht man die Turmstube und wird mit einem weiten Blick über Dächer, Türme und Stadtmauer bis hinaus in die Umgebung Rothenburgs belohnt. Gleichzeitig erzählt der Turm eine besondere Geschichte: vom mittelalterlichen Meldeposten über seine schwere Zerstörung im Jahr 1945 bis zu seinem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert
Der Röderturm entstand im 14. Jahrhundert und bildete einen wichtigen Bestandteil der östlichen Stadtbefestigung Rothenburgs.
Gemeinsam mit dem Rödertor und der vorgelagerten Befestigungsanlage sicherte er einen der wichtigsten Zugänge zur Stadt von Osten.
Der Turm erfüllte dabei nicht nur eine militärische Funktion. Über lange Zeit diente er auch als Meldeposten der Stadt. Von seiner erhöhten Position ließ sich das Gelände außerhalb der Befestigung weit überblicken.
Heute ist der Röderturm etwas Besonderes: Er ist der einzige öffentlich zugängliche Wehrturm der Rothenburger Stadtmauer.
103 Stufen bis über die Dächer Rothenburgs
Wer den Röderturm besteigen möchte, sollte ein wenig Kondition mitbringen.
Bis zur Turmstube sind es 103 Stufen. Der Aufstieg führt durch das Innere des historischen Turms über teilweise schmale Treppen und mehrere Zwischenebenen.
Oben angekommen eröffnet sich dafür eine Perspektive, die man vom Straßenniveau aus kaum bekommt.
Zu sehen sind unter anderem:
- die dicht bebauten Bereiche der historischen Altstadt
- die Stadtmauer mit ihren Türmen
- die charakteristischen roten Dächer Rothenburgs
- Kirchtürme und weitere markante Gebäude
- die östlichen Bereiche außerhalb der Stadtmauer
- die Landschaft rund um Rothenburg
- bei entsprechender Sicht weit entfernte Teile des Umlandes
Gerade von hier oben lässt sich gut erkennen, wie kompakt die historische Stadt innerhalb ihrer Befestigungsanlagen gebaut wurde.
Rothenburg einmal wie ein Wächter betrachten
Heute steigen Besucher auf den Röderturm, um die Aussicht zu genießen. Für die Menschen früherer Jahrhunderte hatte der Blick von hier oben einen ganz anderen Zweck.
Als Meldeposten bot der Turm eine weitreichende Sicht über das östliche Vorland Rothenburgs.
Damit wird beim Besuch sehr anschaulich, weshalb hohe Türme für die Verteidigung einer Stadt so wichtig waren.
Vom Turm aus erkennt man dagegen das ganze System:
- Wo verlaufen die Mauern?
- Wo befinden sich die Tore?
- Aus welcher Richtung nähert sich jemand der Stadt?
- Welche Bereiche lassen sich überblicken?
- Wie stehen Türme und Befestigungen miteinander in Beziehung?
Gerade deshalb eignet sich der Röderturm hervorragend, um den Aufbau Rothenburgs nicht nur anzusehen, sondern auch räumlich zu verstehen.
Eine kleine Ausstellung im Turm
Beim Aufstieg lohnt es sich, nicht nur auf das Ziel ganz oben zu achten.
In den Zwischenetagen befindet sich eine Ausstellung über die Entwicklung Rothenburgs, seine Verteidigungsanlagen sowie die Zerstörung und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Historische Luftaufnahmen dokumentieren dabei unter anderem die Schäden in der Altstadt.
Der Aufstieg wird dadurch gleichzeitig zu einer kleinen historischen Zeitreise.
Wer Rothenburg nur als scheinbar vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt kennt, bekommt hier einen wichtigen zusätzlichen Blick auf die jüngere Geschichte.
Fototipp
Der Röderturm gehört zu den interessantesten Fotopunkten Rothenburgs.
Während der Rathausturm einen Blick aus dem Zentrum der Altstadt bietet, befindet man sich auf dem Röderturm unmittelbar an ihrem östlichen Rand.
Dadurch entstehen andere Perspektiven.
Besonders interessant sind:
- die Dächer der Altstadt
- Stadtmauer und Wehrgänge
- hintereinanderliegende Türme
- Kirchtürme über den Häusern
- der Kontrast zwischen dichter Altstadt und offener Landschaft
- die geometrischen Strukturen von Straßen, Mauern und Dächern
Mit längeren Brennweiten lassen sich einzelne Türme, Dächer und Gebäudeteile aus ungewöhnlichen Blickwinkeln herauslösen. Gerade diese Ausschnitte können interessanter sein als das klassische Weitwinkel-Panorama.
Gut zu wissen
Der Röderturm besitzt keine moderne komfortable Treppenanlage.
Der Aufstieg erfolgt über 103 Stufen und teilweise schmale Treppen innerhalb des Turms.
Der Besuch ist deshalb nicht barrierefrei.
Personen mit:
- erheblichen Gehproblemen
- eingeschränkter Beweglichkeit
- Krücken
- Rollator
- Problemen mit steilen oder engen Treppen
sollten auf den Aufstieg verzichten.
Auch mit kleinen Kindern sollte berücksichtigt werden, dass es sich um einen historischen Wehrturm mit entsprechenden Treppen und engen Bereichen handelt.
Öffnungszeiten
Die Öffnungszeiten des Röderturms sind saisonal und teilweise witterungsabhängig.
Aktuell werden für 2026 folgende reguläre Zeiten angegeben:
Juni bis August: täglich von 11:00 bis 14:00 Uhr
April, Mai, September und Oktober: an Wochenenden und Feiertagen von 11:00 bis 14:00 Uhr
November bis März: witterungsabhängige Öffnungszeiten
während des Weihnachtsmarktes teilweise an Wochenenden geöffnet
Wenn die Fahnen aus dem Fenster hängen, ist der Turm geöffnet.
Stand der Angaben: August 2026. Öffnungszeiten können sich ändern und sollten vor dem Besuch nochmals überprüft werden.
Der derzeitige Erhaltungsbeitrag beträgt:
Erwachsene: 3,00 Euro
Kinder bis 18 Jahre: 1,50 Euro
Die Zahlung erfolgt vor Ort.
Stand: August 2026. Preise können sich ändern.
Unser Tipp
Wenn Sie ohnehin am Rödertor vorbeikommen, sollten Sie zunächst die gesamte Toranlage von außen betrachten.
Gehen Sie über die Brücke, durch die Bastei und den Fanghof und versuchen Sie dabei nachzuvollziehen, welche Hindernisse ein Angreifer überwinden musste.
Danach steigen Sie auf den Röderturm.
Von oben sehen Sie anschließend genau die Stadt, deren Zugang diese Befestigungsanlage über Jahrhunderte schützen sollte.
So ergänzen sich Rödertor und Röderturm zu einem der interessantesten Orte, um die historische Stadtbefestigung Rothenburgs wirklich zu verstehen.
Die Alte Schmiede am Röderturm
Nur wenige Schritte vom Röderturm entfernt befindet sich mit der Gerlachschmiede, häufig auch als Alte Schmiede bezeichnet, eines der besonders malerischen Gebäude im östlichen Teil der Altstadt.
Was heute wie ein jahrhundertealtes Fachwerkhaus wirkt, hat jedoch eine besondere Geschichte: Die ursprüngliche Schmiede wurde beim Luftangriff auf Rothenburg im Jahr 1945 vollständig zerstört. Das heutige Gebäude ist ein sorgfältiger Wiederaufbau und steht seit 1951 wieder an seinem historischen Platz. Auffällig sind vor allem der zierliche Giebel, die kleinen Fenster und die farbige Wappentafel.
Die Wappentafel mit der gekrönten Schlange geht auf den Rothenburger Schmied Georg Gerlach zurück, nach dem die Schmiede ihren heutigen Namen trägt.
Fototipp: Besonders reizvoll ist die Kombination aus Gerlachschmiede, Stadtmauer und Röderturm. Wer vom Rödertor aus der Röderschütt ein kurzes Stück nach Süden folgt, erreicht die Schmiede nach wenigen Minuten.