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St.-Jakobs-Kirche

Die St.-Jakobs-Kirche gehört zu den bedeutendsten Bauwerken Rothenburgs ob der Tauber. Ihre beiden Türme prägen die Silhouette der Altstadt, doch die eigentlichen Schätze befinden sich im Inneren: jahrhundertealte Glasfenster, mehrere spätgotische Altäre und vor allem der berühmte Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider.

Mehr als 170 Jahre wurde an der gotischen Kirche gebaut. Begonnen wurde 1311, 1485 war das Bauwerk vollendet und geweiht. Ursprünglich katholisch, wurde St. Jakob im Zuge der Reformation evangelisch und ist bis heute die evangelisch-lutherische Hauptkirche Rothenburgs.

Mehr als 170 Jahre Bauzeit

Eine Kirche dieser Größe entstand im Mittelalter nicht innerhalb weniger Jahre.

Mit dem Bau von St. Jakob wurde 1311 am Ostchor begonnen. Bereits im 14. Jahrhundert folgten weitere Bauabschnitte, ab 1373 entstand das große Langhaus.

Der letzte große Abschnitt war der Westchor. Er wurde im 15. Jahrhundert geschaffen und nahm später den berühmten Heilig-Blut-Altar auf.

Die Baugeschichte lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:

  • 1311: Beginn des Kirchenbaus
  • 14. Jahrhundert: Ostchor und weitere erste Bauabschnitte
  • ab 1373: Bau des Langhauses
  • 1453–1484: Ausbau des Westbereichs mit der Wallfahrtskapelle
  • 1485: Abschluss und Weihe der Kirche

Die enorme Bauzeit zeigt, welchen Aufwand eine große gotische Kirche für eine mittelalterliche Stadt bedeutete.

Eine Kirche über einer Straße

Eine der ungewöhnlichsten Besonderheiten von St. Jakob erkennt man am besten von außen.

Der Westchor wurde über die damalige Klingengasse gebaut.

Die Straße verschwand also nicht wegen des Kirchenbaus. Stattdessen wurde der neue Teil der Kirche einfach über den bestehenden Verkehrsweg hinweg errichtet. Noch heute kann man unter diesem Bereich hindurchgehen.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie eng und kompliziert mittelalterliche Stadtentwicklung sein konnte.

Eine wachsende Kirche benötigte zusätzlichen Raum – gleichzeitig konnte eine wichtige Straße nicht einfach aufgegeben werden.

Die Lösung war bemerkenswert pragmatisch:

Die Kirche wuchs über die Straße hinweg.

St. Jakob und der Jakobsweg

Der Name der Kirche ist kein Zufall. St. Jakob ist dem Apostel Jakobus dem Älteren gewidmet, dessen Grab der Überlieferung nach im spanischen Santiago de Compostela liegt.

Rothenburg liegt bis heute an einem bedeutenden Knotenpunkt europäischer Pilgerwege. Nach Angaben des Rothenburg Tourismus Service treffen hier gleich mehrere Jakobswege zusammen. St. Jakob bildet den zentralen Anlaufpunkt für Pilger in der Stadt.

Vor dem Hauptportal steht heute eine Bronzefigur des Heiligen Jakobus.

Sie erinnert daran, dass die Pilgertradition keineswegs nur Geschichte ist. Auch heute erreichen Jakobspilger Rothenburg zu Fuß und setzen ihren Weg von hier aus weiter fort.

Der Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider

Der bekannteste Kunstschatz der Kirche steht nicht dort, wo viele Besucher ihn zunächst erwarten.

Wer St. Jakob betritt, blickt zuerst in Richtung Ostchor. Der weltberühmte Heilig-Blut-Altar befindet sich dagegen im erhöhten Westchor auf der anderen Seite der Kirche.

Tilman Riemenschneider schuf die figürliche Ausstattung zu Beginn des 16. Jahrhunderts für eine bereits damals verehrte Heilig-Blut-Reliquie. Der Rothenburg Tourismus Service datiert den Altar auf die Zeit um 1500; detailliertere Unterlagen nennen die Entstehungszeit von etwa 1500 bis 1505.

Tilman Riemenschneider

Tilman Riemenschneider gehört zu den bedeutendsten Bildhauern und Bildschnitzern der Spätgotik.

Er arbeitete hauptsächlich in Würzburg und Franken und wurde insbesondere für seine ausdrucksstarken Holz- und Steinfiguren bekannt.

Beim Heilig-Blut-Altar fällt auf, wie lebendig die einzelnen Personen wirken.

Gesichter, Körperhaltungen und Gesten vermitteln:

  • Unsicherheit
  • Aufmerksamkeit
  • Nachdenklichkeit
  • Misstrauen
  • Trauer
  • Spannung

Die Figuren wirken dadurch weniger wie starre Symbole und mehr wie Menschen in einer konkreten Situation.

Gerade das macht Riemenschneiders Arbeiten bis heute so eindrucksvoll.

Das letzte Abendmahl

Im Mittelpunkt des Heilig-Blut-Altars steht das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Die zentrale Szene ist ungewöhnlich komponiert. Nicht allein Jesus beherrscht den Mittelpunkt der Darstellung. Besonders auffällig ist Judas, der sich unmittelbar vor Jesus befindet.

Riemenschneider erzählt dadurch nicht nur ein religiöses Ereignis.

Er schafft eine Szene voller psychologischer Spannung:

Die Jünger sitzen gemeinsam am Tisch – während der kommende Verrat bereits im Raum steht.

Weitere Darstellungen zeigen:

  • den Einzug Jesu in Jerusalem
  • Christus am Ölberg
  • das Letzte Abendmahl als zentrale Szene

Warum heißt er Heilig-Blut-Altar?

Der Altar wurde als aufwendiger Rahmen für eine Heilig-Blut-Reliquie geschaffen.

Die Reliquie befindet sich nicht zwischen den Figuren des Abendmahls, sondern weiter oben im Aufbau des Altars.

Der Überlieferung zufolge soll sich auf einem Tuch konsekrierter Wein befunden haben, der im mittelalterlichen Glaubensverständnis als Blut Christi verehrt wurde. Die Reliquie machte Rothenburg zeitweise zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Für eine mittelalterliche Stadt konnte eine bedeutende Reliquie enorme Auswirkungen haben.

Pilger benötigten:

  • Unterkunft
  • Nahrung
  • Versorgung
  • Wege
  • religiöse Betreuung

Wallfahrt war deshalb nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sondern wirkte sich auch auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einer Stadt aus.

Bemerkenswert: Die Reliquie blieb erhalten

Heute ist St. Jakob evangelisch. Dass sich hier trotzdem ein Heilig-Blut-Altar mit einer katholischen Reliquie erhalten hat, ist bemerkenswert.

Während der Reformation wurden in vielen Kirchen Heiligenbilder, Reliquien und Altäre entfernt oder zerstört.

In St. Jakob blieb der Riemenschneider-Altar jedoch erhalten. Damit befindet sich heute ein spätmittelalterlicher Reliquienaltar in einer evangelisch-lutherischen Kirche.

Gerade dieser Umstand macht sichtbar, dass historische Veränderungen nicht überall nach demselben Muster verliefen.

Der Zwölf-Boten-Altar

Bevor viele Besucher den Riemenschneider-Altar finden, stehen sie zunächst vor einem anderen bedeutenden Kunstwerk.

Im Ostchor befindet sich der Zwölf-Boten-Altar von Friedrich Herlin aus dem Jahr 1466.

Er ist der historische Hauptaltar der Kirche und gehört ebenfalls zu den bedeutenden spätgotischen Kunstwerken Rothenburgs.

Der Altar enthält:

  • eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe
  • Darstellungen der Apostel
  • gemalte Szenen
  • Geschichten aus der Jakobus-Legende

Besonders interessant sind die bemalten Rückseiten der Altarflügel.

Die älteste Darstellung Rothenburgs

Auf dem Zwölf-Boten-Altar befindet sich eine für unsere Stadtgeschichte besonders wertvolle Darstellung.

In einer Szene wird die Überführung des Leichnams des Heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela gezeigt.

Doch der Künstler stellte im Hintergrund nicht Santiago, sondern Rothenburg dar.

Dadurch entstand eine der ältesten beziehungsweise die älteste bekannte bildliche Darstellung der Stadt Rothenburg.

Für uns ist das besonders spannend:

Besucher können in einer Kirche des 15. Jahrhunderts ein Bild Rothenburgs betrachten, das selbst bereits mehr als 550 Jahre alt ist.

Von katholisch zu evangelisch

St. Jakob wurde ursprünglich als katholische Kirche erbaut.

Mit der Einführung der Reformation in Rothenburg im 16. Jahrhundert wurde sie evangelisch. Seitdem gehört sie zur evangelisch-lutherischen Kirche.

Bemerkenswert ist, wie viele Kunstwerke aus der Zeit vor der Reformation erhalten geblieben sind.

Dadurch besitzt die heutige evangelische Kirche weiterhin eine außergewöhnlich reiche spätmittelalterliche Ausstattung.

Das Hühnerwunder

Auf der Rückseite des Zwölf-Boten-Altars finden sich außerdem Legenden aus der mittelalterlichen Jakobus-Wallfahrt.

Dazu gehört das sogenannte Hühnerwunder, eine der bekanntesten Legenden des Jakobsweges.

Solche Darstellungen richteten sich an Menschen, für die die Geschichten des Heiligen Jakobus und die Pilgerreise nach Santiago ein wichtiger Bestandteil ihrer religiösen Welt waren.

Damit verbindet der Altar Rothenburg unmittelbar mit einem Pilgerwegenetz, das sich durch große Teile Europas zog.

Noch mehr Riemenschneider

Der Heilig-Blut-Altar ist nicht das einzige Werk, das in St. Jakob mit Tilman Riemenschneider verbunden ist.

Zu den weiteren bedeutenden Altären gehört der Ludwig-von-Toulouse-Altar, dessen Skulpturen Riemenschneider zugeschrieben werden.

Außerdem befindet sich in der Kirche ein Maria-Krönungs-Altar, dessen Figuren teilweise aus dem Umfeld beziehungsweise der Schule Riemenschneiders stammen.

Damit lohnt es sich, nach dem berühmten Heilig-Blut-Altar nicht sofort wieder hinauszugehen.

In St. Jakob gibt es wesentlich mehr zu entdecken.

600 Jahre alte Glasfenster

Auch der Ostchor verdient besondere Aufmerksamkeit. Hier befinden sich historische Farbglasfenster, deren älteste Teile aus der Zeit um 1350 stammen. Weitere Fenster entstanden um 1400.

Damit sind einige dieser Glasfenster beinahe so alt wie die Kirche selbst.

Besonders schön wirken sie, wenn Sonnenlicht durch das farbige Glas in den Chor fällt.

Der Rothenburg Tourismus Service empfiehlt dafür ausdrücklich die Vormittagssonne.

Die große Orgel

Auch musikalisch besitzt St. Jakob eine besondere Bedeutung.

Die große Orgel verfügt über 69 Register und rund 5.500 Pfeifen.

Über das Jahr verteilt finden in St. Jakob regelmäßig Orgelkonzerte und weitere kirchenmusikalische Veranstaltungen statt.

Wer Gelegenheit hat, die Orgel tatsächlich zu hören, erlebt den Kirchenraum noch einmal vollkommen anders.

Die gotische Architektur sorgt dafür, dass sich der Klang weit durch das hohe Mittelschiff ausbreitet.

Zwei Türme – und keiner ist ganz gleich

Auch von außen ist St. Jakob unverwechselbar. Die Kirche besitzt zwei unterschiedlich hohe Türme. Der Südturm misst rund 55 Meter, der Nordturm knapp 58 Meter.

Die Türme sind von vielen Punkten der Altstadt zu erkennen und dienen dadurch beinahe automatisch als Orientierung.

Fototipps

Eines der besonders schönen Motive der Kirche findet sich nicht direkt am Kirchplatz.

Vom Klingentor beziehungsweise aus dem oberen Bereich der Klingengasse blickt man entlang der historischen Häuserzeilen direkt auf St. Jakob.

Die enge Straße bildet dabei einen natürlichen Rahmen und die Kirche erhebt sich im Hintergrund über den Häusern.

Gerade dadurch entsteht ein wesentlich stärkerer Eindruck von Höhe und Größe als bei einer klassischen Aufnahme direkt vor der Kirche.

Wer im Inneren fotografieren darf, sollte die Kirche möglichst am Vormittag besuchen.

Dann fällt das Licht besonders schön durch die jahrhundertealten Glasfenster des Ostchors.

Gut zu wissen

St. Jakob ist kein Museum, sondern eine aktive evangelisch-lutherische Kirche.

Gottesdienste, kirchliche Veranstaltungen und Seelsorge haben deshalb Vorrang vor der touristischen Nutzung.

Für Besucher werden außerdem Kirchenführungen und Audioguides angeboten. Die regulären Führungen dauern ungefähr 30 bis 45 Minuten.

In der St.-Jakobs-Kirche finden regelmäßig Konzerte und weitere musikalische Veranstaltungen statt. Wenn sich während Ihres Aufenthalts die Gelegenheit bietet, lohnt sich ein Besuch besonders: Die große gotische Kirche besitzt eine beeindruckende Akustik, durch die Orgel-, Chor- und Instrumentalmusik noch einmal eine ganz besondere Wirkung entfaltet.

Öffnungszeiten 2026

Aktuell werden folgende Öffnungszeiten angegeben:

Januar bis März: 11:00 bis 14:00 Uhr
April bis September: 10:00 bis 18:00 Uhr
Oktober: 10:00 bis 17:00 Uhr
November: 11:00 bis 14:00 Uhr
Dezember: 10:00 bis 17:00 Uhr

Die Zeiten können sich aufgrund von Gottesdiensten, kirchlichen Veranstaltungen oder besonderen Terminen ändern.

Stand: August 2026.

Fotonachweis

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