Übersicht
Der Burggarten
Der Burggarten gehört zu den schönsten Orten Rothenburgs, um Geschichte, Landschaft und Ruhe miteinander zu verbinden. Hinter dem Burgtor öffnet sich plötzlich ein grüner Park hoch über dem Taubertal – mit alten Bäumen, Rasenflächen, historischen Spuren und einigen der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Stadt.
Der Name Burggarten kommt nicht von ungefähr. Genau hier stand einst die staufische Burg, die für die Entwicklung Rothenburgs eine entscheidende Rolle spielte. Wer heute durch den Park spaziert, befindet sich damit an einem Ort, der zu den wichtigsten Keimzellen der späteren Stadt gehört.
Hier begann die Entwicklung des staufischen Rothenburgs
Im Jahr 1142 kamen die Staufer in Rothenburg an die Macht. König Konrad III. ließ auf dem strategisch günstig gelegenen Bergsporn über dem Taubertal eine Burg errichten, die bis etwa 1150 fertiggestellt wurde.
Die Lage war hervorragend gewählt.
Von hier aus ließ sich das Taubertal überblicken, gleichzeitig befand sich die Anlage auf einem natürlichen, gut zu verteidigenden Höhenrücken.
Im Umfeld der Burg wurde die Entwicklung der bestehenden Siedlung gezielt gefördert. Schritt für Schritt entstand daraus die Stadt Rothenburg.
Vereinfacht kann man sich die Entwicklung so vorstellen:
- zunächst die Burg auf dem Bergsporn
- daneben eine wachsende Siedlung
- zunehmende Bebauung
- erste Befestigungen
- weitere Stadterweiterungen
- schließlich die befestigte Stadt, deren Altstadt wir heute kennen
Der heutige Burggarten ist deshalb mehr als nur ein Park.
Wo ist die Burg geblieben?
Von der einstigen Burg ist heute nur noch wenig zu erkennen.
Lange wurde erzählt, die Anlage sei beim großen Erdbeben von 1356 zerstört worden. Diese Erklärung gilt inzwischen jedoch als wahrscheinlich zu einfach.
Stein war im Mittelalter ein wertvolles Baumaterial und die wachsende Bürgerstadt benötigte Platz und Baumaterial. Vieles spricht deshalb dafür, dass Teile der nicht mehr benötigten Burg bewusst abgetragen und ihre Steine anderweitig verwendet wurden.
Ganz verschwunden ist die Anlage dennoch nicht.
Noch heute lassen sich Spuren entdecken:
- Teile ehemaliger Grundmauern
- der Bereich des früheren Burgeingangs
- Reste der ehemaligen Befestigung
- die heutige Blasiuskapelle, die auf einen Bau der Burganlage zurückgeht
- die Stauferstele, die an die Geschichte dieses Ortes erinnert
Gerade deshalb lohnt es sich, im Burggarten nicht nur die Aussicht zu genießen, sondern auch auf die historischen Spuren zu achten.
Die Blasiuskapelle
Gleich hinter dem Eingang zum Burggarten steht eines der deutlichsten erhaltenen Zeugnisse der ehemaligen Burganlage.
Die heutige Blasiuskapelle geht auf ein Gebäude der staufischen Burg zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert und unterschiedlich genutzt.
Auf ihre Geschichte werden wir in einem eigenen Artikel ausführlicher eingehen.
Die Stauferstele
Auf der nördlichen Seite des Burggartens erinnert eine Stauferstele an die Zeit, in der Rothenburg eng mit dem mächtigen Herrschergeschlecht der Staufer verbunden war.
Sie wurde 2010 aufgestellt und erinnert an die Bedeutung der ehemaligen Burg und ihrer Bewohner für die Entwicklung Rothenburgs.
Wer sich für die frühe Geschichte der Stadt interessiert, sollte hier kurz stehen bleiben. Der Burggarten war damals kein Erholungspark, sondern ein politisch und militärisch bedeutender Ort.
Heute eine der ruhigsten Ecken der Altstadt
Von dieser militärischen Vergangenheit ist heute kaum noch etwas zu spüren.
Der Burggarten ist geprägt von:
- großen alten Bäumen
- schattigen Wegen
- weitläufigen Rasenflächen
- Blumenbeeten
- Brunnen
- historischen Steinfiguren
- zahlreichen Sitzmöglichkeiten
- weitreichenden Ausblicken ins Taubertal
Gerade an warmen Sommertagen ist der Park ein angenehmer Gegenpol zu den oft gut besuchten Straßen rund um Marktplatz und Plönlein.
Hier kann man sich einfach auf eine Bank oder auf die Wiese setzen, eine Pause machen und die Umgebung genießen.
Man muss im Burggarten eigentlich gar nichts „besichtigen“. Man kann einfach dort sein.
Das Figurenbeet
Im Zentrum des Parks befindet sich eine kleine historische Gartenanlage mit Brunnen und Sandsteinfiguren.
Die insgesamt acht Figuren stellen die vier Jahreszeiten und die vier Elemente dar.
Mit Blumenbeeten, Brunnen und den dahinter sichtbaren Türmen und Mauern des Spitalviertels gehört dieser Bereich zu den klassischen Fotomotiven des Burggartens.
Besonders im Frühling und Sommer verändert sich das Motiv durch die jeweilige Bepflanzung ständig.
Einer der schönsten Ausblicke auf das Taubertal
Der eigentliche Höhepunkt des Burggartens ist für viele Besucher jedoch die Aussicht.
Der Park liegt auf einem schmalen Höhenrücken weit über dem Taubertal. An mehreren Stellen öffnen sich völlig unterschiedliche Perspektiven.
Bereits unmittelbar hinter dem Burgtor befinden sich Aussichtspunkte auf beiden Seiten.
Blick nach Süden – Doppelbrücke und Spitalviertel
Besonders eindrucksvoll ist der Blick in südlicher Richtung.
Von hier schaut man über den Hang und den Weinberg An der Eich hinunter ins Taubertal.
Im Tal erkennt man unter anderem:
- die historische Doppelbrücke
- die Tauber
- Mühlen und Gebäude im Tal
- Weinberg und Grünflächen
- Teile der Kobolzeller Umgebung und der Kirche
Auf der gegenüberliegenden Höhe erhebt sich das Spitalviertel mit Stadtmauer, Türmen und historischen Gebäuden.
Diese Kombination aus Landschaft, mittelalterlicher Architektur und der tief unten verlaufenden Tauber gehört zu den schönsten Panoramen Rothenburgs.
Blick hinunter auf die Doppelbrücke
Die Doppelbrücke ist von verschiedenen Stellen im Burggarten besonders gut zu erkennen.
Durch ihre übereinanderliegenden Steinbögen erinnert sie auf den ersten Blick fast an ein römisches Aquädukt.
Von oben lässt sich gleichzeitig sehr schön nachvollziehen, wie tief Rothenburg über dem Taubertal liegt.
Wer später hinunter zur Doppelbrücke wandert, bekommt anschließend die entgegengesetzte Perspektive:
Von unten blickt man zurück auf die hoch über dem Tal liegende Stadt.
Beide Ansichten ergänzen sich hervorragend.
Blick auf das Spitalviertel
Von der südlichen Seite des Burggartens fällt der Blick auf einen weiteren besonders schönen Teil Rothenburgs: das Spitalviertel.
Stadtmauer, Türme und historische Gebäude bilden von hier aus eine zusammenhängende Silhouette.
Gerade mit etwas Abstand wird deutlich, wie stark Rothenburg durch seine Lage auf dem Höhenrücken und durch die Stadtbefestigung geprägt wird.
Für Fotografen ist diese Perspektive besonders interessant, weil sich Stadt und Landschaft gemeinsam ins Bild setzen lassen.
Blick nach Norden
Auch die andere Seite des Burggartens sollte man nicht übersehen.
Nach Norden öffnet sich der Blick in Richtung Detwang und Taubertal. Zwischen den Bäumen lässt sich unter anderem das Topplerschlösschen entdecken.
Von hier führen außerdem ruhigere Wege weiter entlang der Außenseite der Altstadt beziehungsweise hinunter ins Taubertal.
Diese Seite des Burggartens wird von vielen Besuchern deutlich weniger wahrgenommen als der Bereich mit Blick auf Doppelbrücke und Spitalviertel.
Gerade deshalb lohnt es sich, den Park einmal vollständig zu umrunden.
Nicht nur durch das Burgtor zurückgehen
Die meisten Besucher betreten den Burggarten durch das Burgtor, drehen eine Runde und verlassen ihn anschließend auf demselben Weg.
Dabei gibt es weitere Möglichkeiten, den Spaziergang fortzusetzen.
Richtung Süden
Am südlichen Ende führt ein Weg aus dem Burggarten hinaus und außerhalb der Stadtmauer weiter in Richtung Süden.
Von dort lässt sich der Spaziergang unterhalb beziehungsweise entlang der Befestigung fortsetzen. Über den Bereich An der Eich kann man weiter in Richtung Taubertal und Doppelbrücke gehen.
Wer Zeit mitbringt, bekommt hier einen völlig anderen Eindruck von Rothenburg als innerhalb der Altstadt.
Plötzlich blickt man nicht mehr von der Stadt hinaus – sondern von außen auf Mauern, Türme und die hoch gelegene Altstadt zurück.
Richtung Norden
Auch auf der nördlichen Seite führt ein ruhiger Weg aus dem Burggarten weiter.
Dieser Bereich ist häufig deutlich weniger belebt und eignet sich besonders für einen entspannten Spaziergang abseits der Hauptwege der Altstadt.
Folgt man dem Weg entlang der Stadtbefestigung, erreicht man auch den Natur-Erlebnis-Spielplatz Neue Burg.
Für Familien ist das eine interessante Kombination:
- zunächst Burggarten und Aussicht
- anschließend ein ruhiger Spaziergang
- danach eine Pause auf dem Spielplatz
- von dort weiter entlang der Stadtmauer
Gerade mit Kindern muss ein Rundgang durch Rothenburg damit nicht ausschließlich aus Sehenswürdigkeiten bestehen.
Ein idealer Ort für eine Pause
Der Burggarten ist einer jener Orte in Rothenburg, für die man bewusst etwas mehr Zeit einplanen sollte.
Natürlich kann man ihn in wenigen Minuten durchqueren.
Besonders an heißen Tagen gehört der Burggarten mit seinem alten Baumbestand zu den angenehmeren Orten innerhalb der Altstadt.
Fototipp
Für Fotografen gehört der Burggarten zu den vielseitigsten Orten Rothenburgs.
Innerhalb weniger Minuten findet man vollkommen unterschiedliche Motive:
- Figurenbeet mit Brunnen und Blumen
- Spitalviertel im Hintergrund
- Doppelbrücke tief unten im Taubertal
- Stadtmauer und Türme
- Landschaft und Weinberge
- Burgtor
- Blasiuskapelle
- historische Bäume und Gartenwege
- Blick Richtung Detwang
- Details der alten Burgreste
Besonders interessant ist der Blick über das Figurenbeet zum Spitalviertel.
Für Landschaftsfotografie lohnt sich der Burggarten besonders am frühen Morgen und gegen Abend, wenn das Licht seitlicher in das Taubertal fällt.
Gut zu wissen
Der Burggarten ist grundsätzlich rund um die Uhr zugänglich. Eine Ausnahme besteht während bestimmter Veranstaltungen, beispielsweise am Samstagabend der Reichsstadt-Festtage.
Der Park selbst ist vergleichsweise bequem zu begehen und besitzt zahlreiche Sitzmöglichkeiten.
Wer die Wege vom Burggarten hinunter ins Taubertal fortsetzt, sollte allerdings beachten:
- die Höhenunterschiede sind erheblich
- einige Wege sind steil
- der Rückweg zur Altstadt kann entsprechend anstrengend sein
- bei Nässe können einzelne Wege rutschig sein
Wer lediglich entspannen und die Aussicht genießen möchte, muss den Burggarten jedoch nicht verlassen.